Uedem am Niederrhein: Kleine Gemeinde mit großer Geschichte – Der komplette Überblick

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Wer den Niederrhein abseits der großen Touristenströme entdecken möchte, stößt früher oder später auf einen Namen, der leicht zu überlesen und doch überraschend vielschichtig ist: Uedem. Die kleine Gemeinde im Kreis Kleve verbindet eine über tausendjährige Geschichte mit einer stillen, bewaldeten Hügellandschaft – und beherbergt zugleich einen der wichtigsten militärischen Standorte für die Luftraumüberwachung in Europa. Dieser Kontrast macht Uedem zu einem Ort, der weit mehr zu bieten hat, als seine Einwohnerzahl vermuten lässt.

In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie, wo Uedem liegt, was die Gemeinde historisch geprägt hat, welche Sehenswürdigkeiten sich lohnen, wo Sie am schönsten wandern und Rad fahren und warum der Name Uedem in sicherheitspolitischen Kreisen ein Begriff ist.

Wo liegt Uedem? Lage und Ortsteile

Uedem ist eine Gemeinde im Kreis Kleve im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und liegt damit mitten am Niederrhein, jener flachen, von Feldern, Wäldern und dem Rhein geprägten Region nahe der niederländischen Grenze. Die Gemeinde schmiegt sich an den Rand einer reizvollen, bewaldeten Hügelkette – dem Uedemer Hochwald und der angrenzenden Hohen Mark – und hebt sich damit ein wenig vom sonst so ebenen Landschaftsbild des Niederrheins ab.

Zur Gemeinde Uedem gehören insgesamt vier Ortsteile:

  • Uedem selbst als zentraler Ort mit dem historischen Ortskern
  • Keppeln
  • Uedemerbruch
  • Uedemerfeld

Zusammen zählen diese Ortsteile rund 8.426 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025). Uedem ist damit eine überschaubare, dörflich geprägte Gemeinde, in der man sich kennt und in der das Vereinsleben und das Brauchtum einen hohen Stellenwert haben.

Die Nachbarschaft liest sich wie ein kleiner Streifzug durch den Kreis Kleve: Kalkar mit seinem berühmten Wunderland und dem Wallfahrtsort, die Kreisstadt Kleve, Goch, Weeze mit dem Regionalflughafen und Sonsbeck liegen jeweils nur wenige Kilometer entfernt. Wer einen Ausflug plant, kann Uedem also gut mit weiteren Zielen der Region verbinden.

Die Geschichte von Uedem: Von Odeheimero Marca bis zu den Stadtrechten

Uedem blickt auf eine bemerkenswert lange Geschichte zurück. Der Legende nach soll bereits im 5. Jahrhundert ein fränkischer Edelmann namens Udo in der Gegend eine Siedlung gegründet haben – auf ihn wird der Ortsname gern zurückgeführt.

Historisch fassbar wird Uedem allerdings erst deutlich später. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 866, als der Name „Odeheimero Marca” in einer Urkunde auftaucht. Diese Bezeichnung meint die „Mark”, also das Siedlungs- und Territorialgebiet um Uedem. Auf dieses Datum bezog sich auch die Gemeinde, als sie im Jahr 2016 ihr 1150-jähriges Bestehen feierte – ein beachtliches Jubiläum, das die tiefe historische Verwurzelung des Ortes unterstreicht.

Ein weiterer Meilenstein folgte im Mittelalter: Im Jahr 1359 erhielt Uedem die Stadtrechte. Für den mittelalterlichen Ort bedeutete das mehr Selbstständigkeit, das Recht, Märkte abzuhalten, und in der Folge die Anlage einer Befestigung mit Stadtmauer, Toren und Wall. Reste dieser historischen Wehranlage lassen sich noch heute im Ortsbild ablesen und erlebbar machen (dazu später mehr).

Über die Jahrhunderte war Uedem geprägt von der Landwirtschaft und vor allem vom Handwerk der Schuhmacher. Die Schusterei war in Uedem so bedeutend, dass sie bis heute fest zur Identität des Ortes gehört – ablesbar an Denkmälern, Ausstellungen und Erzählungen, die dieses Erbe lebendig halten. Uedem war lange als „Schusterstädtchen” bekannt, und die Herstellung von Schuhwerk und Holzschuhen prägte über Generationen die Wirtschaft und das Selbstverständnis der Bevölkerung.

Sehenswürdigkeiten in Uedem: Diese Orte lohnen sich

Trotz seiner Größe hält Uedem eine erstaunliche Dichte an sehenswerten Orten bereit. Wer den Ort zu Fuß erkundet, kann viele davon bequem an einem Nachmittag entdecken.

Die Hohe Mühle – das Wahrzeichen von Uedem

Das unbestrittene Wahrzeichen der Gemeinde ist die Hohe Mühle, eine steinerne Turmwindmühle, die zu den ältesten in Stein gebauten Windmühlen am gesamten Niederrhein zählt. Ihre Ursprünge reichen weit ins Mittelalter zurück – urkundlich wird die Mühle bereits 1319 erwähnt. Damit ist sie ein baugeschichtliches Zeugnis von überregionaler Bedeutung.

Nach einer umfassenden Sanierung und Restaurierung erfüllt die Hohe Mühle heute gleich mehrere Funktionen und ist längst mehr als ein historisches Bauwerk:

  • Café und Treffpunkt: Im „Café Hohe Mühle” lässt sich bei Kaffee und Kuchen die besondere Atmosphäre des alten Turms genießen.
  • Aussichtsturm: Von der Mühle aus bietet sich ein schöner Blick über die niederrheinische Landschaft und den bewaldeten Uedemer Hochwald.
  • Trauort: Paare können sich in der Mühle standesamtlich das Ja-Wort geben – ein ungewöhnlich stimmungsvoller Rahmen für eine Hochzeit.
  • Ausstellung: Im Inneren des Turms informiert eine Dauerausstellung über die Geschichte des Uedemer Schuhmacher- und Holzschuhhandwerks.

Die Hohe Mühle wird ehrenamtlich betreut und ist in der Regel samstags und sonntags von 14:30 bis 17:00 Uhr geöffnet; Gruppen können nach telefonischer Absprache auch außerhalb dieser Zeiten einen Besuch vereinbaren. Da ehrenamtlich geführte Häuser ihre Zeiten gelegentlich anpassen, lohnt sich vor dem Besuch ein kurzer Blick auf die aktuellen Angaben.

St.-Laurentius-Kirche

Im historischen Ortskern erhebt sich die katholische Pfarrkirche St. Laurentius. Sie prägt das Ortsbild und ist ein Beispiel für die sakrale Baukultur der Region. Als geistlicher und gesellschaftlicher Mittelpunkt spielt sie im Leben der Gemeinde bis heute eine zentrale Rolle und bildet einen ruhigen, würdigen Kontrapunkt zum belebten Marktplatz.

Der Marktplatz und der Seemannbrunnen

Der Marktplatz ist das Herz von Uedem und lädt zum Verweilen ein. Ein Blickfang ist hier der Seemannbrunnen, den der Stuttgarter Bildhauer Professor Karl-Henning Seemann im Jahr 1990 schuf. Der Brunnen trägt den Namen seines Schöpfers und ist zu einem beliebten Treffpunkt und Fotomotiv geworden.

Das Schusterdenkmal

Die schon erwähnte Schuhmachertradition wird an der Lohstraße durch ein eigenes Schusterdenkmal gewürdigt, das bereits im Jahr 1963 errichtet wurde. Es erinnert an die Handwerker, die den Ort über Jahrhunderte prägten, und ist ein liebevolles Zeugnis lokaler Identität.

Die historische Stadtmauer am Turmwall

Wer sich für die mittelalterliche Vergangenheit interessiert, sollte den Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung aufsuchen. Nach archäologischen Ausgrabungen, die den genauen Verlauf der historischen Stadtmauer bestimmten, wurde ein Abschnitt der alten Mauer rekonstruiert. Ein Teil dieser wiederhergestellten Befestigung ist heute im Viehpark am Turmwall sichtbar und macht die einstige Wehrhaftigkeit des Städtchens greifbar.

Der Historische Rundweg

Um all diese Zeugnisse in einen Zusammenhang zu stellen, bietet sich der Historische Rundweg an. Auf diesem Rundgang können Besucherinnen und Besucher die bewegte Geschichte der Gemeinde vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart in Wort, Bild und Ton erkunden. Der Weg verbindet die wichtigsten Stationen des Ortskerns und ist ideal für alle, die Uedem auf eigene Faust und in ihrem eigenen Tempo kennenlernen möchten.

Natur und Aktivitäten: Wandern und Radfahren rund um Uedem

Uedem versteht sich als Naherholungsgebiet für Kurzurlauber und Tagesgäste – und das zu Recht. Die Lage am Rande der bewaldeten Hügelkette macht die Gemeinde zu einem attraktiven Ausgangspunkt für Aktivitäten in der Natur.

Der Uedemer Hochwald und die Hohe Mark

Direkt vor der Haustür liegt mit dem Uedemer Hochwald ein ausgedehntes Waldgebiet, das zum Spazieren, Wandern und Durchatmen einlädt. Für Naturfreunde ist außerdem ein Ausflug in das Naturschutzgebiet Hohe Mark–Oermter Berg ein Muss. Die sanften Höhenzüge und die zusammenhängenden Waldflächen bilden einen reizvollen Gegensatz zur ansonsten flachen niederrheinischen Ebene und bieten Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.

Gut ausgebautes Wege- und Radwegenetz

Uedem verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Wander- und Radwanderwegen. Der Niederrhein ist bei Radfahrenden ohnehin für sein dichtes, gut beschildertes Radwegenetz mit dem bekannten Knotenpunktsystem beliebt: An nummerierten Knotenpunkten lassen sich individuelle Touren einfach zusammenstellen, indem man sich von Zahl zu Zahl orientiert. Die überwiegend flache bis leicht hügelige Topografie macht Uedem und Umgebung auch für Familien und Gelegenheitsradler gut befahrbar.

Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet ausgeschilderte Wanderwege, die durch Wald und Feld führen und immer wieder schöne Ausblicke über die Landschaft eröffnen. Die Hohe Mühle und die verschiedenen Ortsteile lassen sich gut in eine Rundtour einbinden, sodass sich Natur- und Kulturerlebnis verbinden lassen.

Einkehr und Genuss

Nach einer Wanderung oder Radtour bietet das erwähnte Café Hohe Mühle einen besonders stimmungsvollen Rahmen für eine Pause. Darüber hinaus sorgen die gastronomischen Betriebe im Ort für die Verpflegung – von der klassischen niederrheinischen Küche bis zum Kaffee und Kuchen. Der Niederrhein ist kulinarisch für herzhafte, bodenständige Gerichte bekannt, und ein Besuch in Uedem lässt sich gut mit einer entspannten Einkehr abrunden.

Ausflüge in die Umgebung: Uedem als Ausgangspunkt

Ein großer Vorteil von Uedem ist seine zentrale Lage im Kreis Kleve. Von hier aus lassen sich zahlreiche weitere Ziele des Niederrheins bequem erreichen, was die Gemeinde zu einem guten Standquartier für eine Entdeckungstour durch die Region macht.

In der näheren Umgebung locken beispielsweise Burgen und historische Bauwerke, wie sie für den Niederrhein typisch sind. Die mittelalterliche Burgenlandschaft, alte Ortskerne und Wallfahrtsorte prägen das kulturelle Bild der Gegend. Auch die benachbarten Städte Kalkar, Goch, Kleve und Sonsbeck bieten jeweils eigene Sehenswürdigkeiten und lassen sich gut mit einem Uedem-Besuch kombinieren.

Für Familien ist die Region ebenfalls attraktiv: Freizeitparks, weitläufige Naturräume und kinderfreundliche Radrouten machen den Niederrhein zu einem beliebten Ausflugsziel. Wer mehrere Tage bleibt, kann Uedem als ruhigen, zentral gelegenen Ausgangspunkt nutzen und von hier aus sternförmig die Umgebung erkunden.

Der Standort Paulsberg: Uedem als Zentrum der Luftraumüberwachung

So beschaulich Uedem als Wohn- und Ausflugsort auch wirkt – der Ortsname hat eine zweite, ganz andere Bedeutung, die in sicherheitspolitischen und militärischen Kreisen weit über die Region hinaus bekannt ist. Auf dem Paulsberg, nordöstlich des Ortsteils Uedemerfeld, befindet sich eine bedeutende Luftverteidigungsanlage der Bundeswehr und der NATO.

Auf dem etwa 16 Hektar großen Gelände sind mehrere hochrangige Dienststellen konzentriert, die für die Überwachung und Führung des Luftraums zuständig sind. Dazu zählen unter anderem:

  • Das Combined Air Operations Centre (CAOC) Uedem, eines von zwei NATO-Führungszentren für die Luftraumüberwachung in Europa. Sein Zuständigkeitsbereich ist gewaltig und reicht von Island bis ins Baltikum und von Norwegen bis zu den Alpen. Von Uedem aus wird also ein großer Teil des nördlichen europäischen Luftraums überwacht.
  • Das Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum, das nationale und internationale Stellen bei der Sicherheit im deutschen Luftraum koordiniert.
  • Das Weltraumkommando der Bundeswehr mit dem Weltraumlagezentrum. Dieses zog im April 2023 in einen Neubau in der Paulsberg-Kaserne ein und unterstreicht die wachsende Bedeutung des Weltraums als sicherheitsrelevanter Bereich.

Eng verbunden mit dem Standort Uedem ist das benachbarte Zentrum Luftoperationen, das seit 2013 in der Von-Seydlitz-Kaserne im nahen Kalkar angesiedelt ist. Beide Standorte bündeln die Kompetenz für die Planung und Führung der Luftstreitkräfte von Bundeswehr und NATO und arbeiten eng zusammen. Der Doppelstandort Kalkar/Uedem ist damit ein zentraler Knotenpunkt der europäischen Luftverteidigung.

Für die Gemeinde Uedem bedeutet dieser Standort nicht nur überregionale Bekanntheit, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung: Als Arbeitgeber und durch fortlaufende Investitionen – etwa in neue Stabs- und Betriebsgebäude – prägt die Bundeswehr die Struktur des Ortes mit. Die Anlage selbst ist militärisches Sperrgebiet und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich; für Besucherinnen und Besucher bleibt sie also vor allem ein bemerkenswerter Teil der Uedemer Identität und ein spannendes Stück Zeitgeschichte.

Uedem erleben: Praktische Tipps für Ihren Besuch

Wer Uedem besuchen möchte, sollte einige praktische Hinweise beachten, um das Beste aus dem Aufenthalt herauszuholen:

Beste Reisezeit: Wie am gesamten Niederrhein bieten sich vor allem das Frühjahr, der Sommer und der frühe Herbst für einen Besuch an. In dieser Zeit lassen sich Wander- und Radtouren am angenehmsten unternehmen, und die Natur in Hochwald und Hoher Mark zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Auch die Hohe Mühle ist an den Wochenenden geöffnet, sodass sich ein Ausflug gut mit einer Einkehr verbinden lässt.

Anreise: Uedem liegt verkehrsgünstig im Kreis Kleve und ist mit dem Auto gut über die Straßen des Niederrheins erreichbar. Die Region ist zudem an das dichte niederrheinische Radwegenetz angebunden, sodass sich Uedem auch als Etappe einer längeren Radtour anbietet.

Zeitbedarf: Für den historischen Ortskern mit Marktplatz, Seemannbrunnen, Schusterdenkmal, St.-Laurentius-Kirche und dem rekonstruierten Stadtmauerabschnitt sollten Sie einige Stunden einplanen. Wer zusätzlich eine Wanderung im Hochwald oder eine Radtour durch die Hohe Mark unternehmen möchte, füllt damit leicht einen ganzen Tag.

Historischer Rundweg als roter Faden: Der Historische Rundweg ist ideal, um die einzelnen Sehenswürdigkeiten in einen Zusammenhang zu bringen und dabei viel über die lange Geschichte der Gemeinde zu erfahren. Er eignet sich hervorragend als Einstieg in den Besuch.

Aktuelle Informationen einholen: Da viele Angebote – etwa die Öffnungszeiten der Hohen Mühle – ehrenamtlich getragen werden, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offiziellen Informationen der Gemeinde. So vermeiden Sie Enttäuschungen und können Ihren Ausflug optimal planen.

Fazit: Warum sich Uedem lohnt

Uedem ist ein Ort der überraschenden Gegensätze. Auf der einen Seite steht ein beschauliches Städtchen mit über tausendjähriger Geschichte, einer der ältesten steinernen Windmühlen des Niederrheins, einer lebendigen Schuhmachertradition und einer reizvollen, bewaldeten Landschaft, die zum Wandern und Radfahren einlädt. Auf der anderen Seite befindet sich hier auf dem Paulsberg ein Standort, von dem aus ein großer Teil des europäischen Luftraums überwacht wird – ein Umstand, der der kleinen Gemeinde eine unerwartete internationale Bedeutung verleiht.

Genau diese Mischung macht Uedem so besonders: Es ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Natur und Gegenwart auf engem Raum begegnen. Wer den Niederrhein jenseits der bekannten Ziele erleben und dabei Ruhe, Kultur und Landschaft miteinander verbinden möchte, findet in Uedem ein lohnendes und authentisches Reiseziel. Die überschaubare Größe ist dabei kein Nachteil, sondern der eigentliche Reiz – hier lässt sich der Niederrhein in seiner ursprünglichen, unaufgeregten Form entdecken.


Quellen:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.