Susan Collins: Profil, Karriere und politische Bedeutung der modernen US-Senatorin

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Eine Politikerin zwischen den Lagern

In einer Zeit, in der die amerikanische Politik von tiefer Spaltung geprägt ist, gilt Susan Collins als eine der letzten verbliebenen moderaten Stimmen im US-Senat. Die republikanische Senatorin aus dem Bundesstaat Maine hat über fast drei Jahrzehnte einen politischen Stil gepflegt, der in Washington immer seltener geworden ist: den des Kompromisses. Wer Collins verstehen will, muss sowohl ihre bemerkenswerte Karriere als auch das politische Umfeld kennen, in dem sie agiert.

Biografie: Von Caribou bis Capitol Hill

Susan Margaret Collins wurde am 7. Dezember 1952 in Caribou im Bundesstaat Maine geboren – in einer Kleinstadt im äußersten Norden des Landes, die kaum mehr als 8.000 Einwohner zählt. Sie wuchs in einer Familie auf, die tief in der Politik verwurzelt war: Beide Elternteile bekleideten politische Ämter in Maine, was Collins früh für die Welt der öffentlichen Verwaltung sensibilisierte.

Nach ihrem Abschluss an der renommierten St. Lawrence University in Canton, New York im Jahr 1975, begann Collins ihre politische Laufbahn als gesetzgebungspolitische Mitarbeiterin (Mitarbeiterin im Bereich Gesetzgebung) beim damaligen Kongressabgeordneten William Cohen aus Maine – einem Mann, der später selbst Senator und schließlich Verteidigungsminister werden sollte. Diese frühe Prägung durch Cohen, ebenfalls bekannt für seine überparteiliche Haltung, hinterließ deutliche Spuren in Collins’ politischem Werdegang.

Von 1987 bis 1992 diente Collins im Kabinett des Gouverneurs von Maine, John R. McKernan, als Leiterin des Ministeriums für professionelle und finanzielle Regulierung (Abteilung für Berufs- und Finanzaufsicht). Anschließend arbeitete sie kurz als Regionaldirektorin bei der US-Behörde für kleine Unternehmen (Small Business Administration) und dann als stellvertretende Staatsschatzmeisterin von Massachusetts.

Der Weg in den US-Senat

1996 wagte Susan Collins den Sprung in die Bundespolitik und kandidierte erstmals für einen Senatssitz aus Maine. Sie gewann die Wahl und zog am 7. Januar 1997 in den US-Senat ein – ein Amt, das sie seitdem ununterbrochen bekleidet. Ihre Wiederwahlen in den Jahren 2002, 2008, 2014 und 2020 festigten ihre Position als die am längsten amtierende Kongressabgeordnete aus Maine.

Mit ihrer fünften Amtszeit, die sie bei der Wahl 2020 errang, schrieb Collins Geschichte: Sie wurde zur ersten republikanischen Frau der Nation, die einen fünften Senatsterm gewann. Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, als Maine als umkämpfter Bundesstaat gilt, der in Präsidentschaftswahlen sowohl demokratische als auch republikanische Kandidaten unterstützen kann.

Seit Anfang 2025 leitet Collins den mächtigen Haushaltsausschuss des Senats (Senate Appropriations Committee) – als erste republikanische Frau in dieser Position. Der Ausschuss kontrolliert jährliche Ausgaben in Billionenhöhe und verleiht Collins enormen institutionellen Einfluss.

Politische Positionen: Die Kunst des Kompromisses

Susan Collins positioniert sich innerhalb der Republikanischen Partei weit links von der Mehrheit ihrer Parteikollegen. Sie bezeichnet sich selbst als moderate Republikanerin – ein Begriff, der in der heutigen politischen Landschaft fast anachronistisch klingt.

Gesundheitspolitik

Einer der bekanntesten Momente ihrer Karriere ereignete sich 2017, als Collins zusammen mit nur zwei weiteren republikanischen Senatorinnen und Senatoren gegen die Abschaffung des Affordable Care Act (Gesetz zur erschwinglichen Krankenversicherung, auch bekannt als „Obamacare”) stimmte. Diese Abstimmung galt als entscheidend – die Gesundheitsreform scheiterte nur knapp und Collins’ „Nein” war ausschlaggebend. Diese Entscheidung machte sie zur Ikone für Befürworterinnen und Befürworter der Krankenversicherungsabdeckung, brachte ihr aber auch heftige Kritik von Teilen der eigenen Partei ein.

Infrastruktur und überparteiliche Zusammenarbeit

Im Jahr 2021 war Collins eine der führenden Kräfte in einer überparteilichen Gruppe von Senatorinnen und Senatoren, die das Infrastrukturgesetz (Infrastructure Investment and Jobs Act) aushandelten – ein billionenschweres Investitionspaket, das von Präsident Biden unterzeichnet wurde. Collins’ Mitwirkung wurde weithin als Beweis für ihre Fähigkeit gesehen, über Parteigrenzen hinweg Lösungen zu erarbeiten.

Ernennung von Richterinnen und Richtern am Obersten Gerichtshof

Bei der Ernennung von Richtern am Obersten Gerichtshof (Supreme Court) hat Collins eine Zwickmühle bewältigt, die ihrem überparteilichen Image sowohl geholfen als auch geschadet hat. Sie stimmte 2018 für die Bestätigung des umstrittenen Brett Kavanaugh – eine Entscheidung, die massive Proteste auslöste, nachdem Kavanaugh mit Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontiert worden war. 2020 war sie hingegen die einzige republikanische Senatorin, die gegen die Bestätigung von Amy Coney Barrett unter demokratischer Kritik an der damaligen Vorgehensweise stimmte.

Haltung gegenüber Donald Trump

Ihre Beziehung zu Donald Trump ist vielschichtig und oft widersprüchlich. Laut Analysen des Fachmediums CQ Roll Call stimmte Collins 2025 in 95 Prozent der Fälle mit der Position des ehemaligen und erneuten Präsidenten überein. Gleichzeitig stach sie in einigen wichtigen Abstimmungen als parteiübergreifende Stimme heraus – zum Beispiel bei der Gesundheitsreform 2017. Kritiker werfen ihr vor, trotz ihrer moderaten Selbstdarstellung letztlich die Trump-Agenda mitgetragen zu haben; Verteidiger sehen sie als jemanden, der innerhalb des Systems so viel Unabhängigkeit bewahrt wie möglich.

Überparteilichkeit als Markenzeichen

Verschiedene unparteiische Analysen haben Collins als eine der überparteilichsten Senatorinnen der vergangenen Jahrzehnte eingestuft. Das Lugar Center – ein überparteiliches Forschungszentrum in Washington – kürte sie fünf Jahre in Folge zur überparteilichsten Senatorin, zuletzt 2018.

Eine Analyse des Abstimmungsverhaltens durch das Nachrichtenportal Congressional Quarterly ergab, dass Collins zwischen 1997 und 2016 nur in 59 Prozent der Fälle mit ihrer eigenen Partei stimmte, wenn diese Abstimmungen entlang von Parteilinien verliefen. Zum Vergleich: Der Durchschnitt für Senatorinnen und Senatoren liegt bei deutlich über 80 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist ihr Abstimmungsrekord: Seit ihrem Amtsantritt 1997 hat Collins nach verfügbaren Daten aus dem Jahr 2026 keine einzige namentliche Abstimmung verpasst. Diese außergewöhnliche Zuverlässigkeit, die 4.000 aufeinanderfolgende Abstimmungen und mehr umfasst, spiegelt ihr tiefes Engagement für das Amt wider.

Die Wahl 2026: Kampf ums politische Überleben

Susan Collins hat im Februar 2026 offiziell ihre Kandidatur für eine sechste Amtszeit im US-Senat bekannt gegeben – mit einem ungewöhnlich symbolischen Ankündigungsvideo, in dem sie neue Laufschuhe auspackte. Eine Parallele zum Wahlkampfstil vergangener Jahrzehnte, in denen sie Maine nach eigenen Angaben „von einem Ende zum anderen gelaufen ist”.

Die Wahl am 3. November 2026 verspricht eine der spannendsten Senatswahlen des Jahres zu werden. In der Vorwahl (Abstimmung zur parteiinternen Kandidatenauswahl) trat Collins unangefochten an; die eigentliche Herausforderung kommt von der demokratischen Seite.

Herausforderung durch Gouverneurin Mills und Graham Platner

Collins sieht sich zwei möglichen demokratischen Herausforderern gegenüber: der amtierenden Gouverneurin Janet Mills, einer erfahrenen Politikerin mit landesweitem Bekanntheitsgrad, sowie dem politischen Newcomer Graham Platner. Eine Umfrage der Universität UMass Lowell in Zusammenarbeit mit YouGov vom 4. Juni 2026 zeigte Platner mit 48 zu 43 Prozent vor Collins – ein überraschend enges Ergebnis für eine so langjährige Amtsinhaberin.

Ihre Beliebtheitswerte (Zustimmungsrate) haben gelitten: Derzeit liegt ihre Zustimmungsrate unter den Wählerinnen und Wählern in Maine bei nur 36 Prozent, während 53 Prozent ein negatives Bild von ihr haben. Dieser Einbruch hängt unter anderem mit ihrer Nähe zur Trump-Administration zusammen, die in Maine – einem Staat mit starker unabhängiger Wählerschicht – zunehmend kritisch gesehen wird.

Die Bedeutung des Senatorenpostens für Maine

Collins ist nicht nur eine politische Figur auf nationaler Ebene – sie ist auch eine entscheidende Stimme für ihre Heimat Maine. Als Vorsitzende des Haushaltsausschusses verfügt sie über erheblichen Einfluss auf Mittelzuweisungen für Bundesinfrastruktur, Militärprogramme und Sozialprogramme, die für Maine von besonderer Bedeutung sind. Der Staat ist relativ arm, hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil älterer Bevölkerung und ist stark von Bundesfinanzierungen abhängig.

In der Vergangenheit hat Collins immer wieder darauf hingewiesen, wie sie Fördergelder für Infrastruktur, Häfen, Fischereiprogramme und das Gesundheitssystem in Maine sichern konnte – ein Argument, das bei Wählerinnen und Wählern jenseits von Parteigrenzen zieht.

Susan Collins im Spiegel der amerikanischen Politik

Susan Collins verkörpert eine Paradoxie der modernen amerikanischen Demokratie: Sie ist überparteilich genug, um in einem umkämpften Bundesstaat fast drei Jahrzehnte zu überleben, aber gleichzeitig Teil eines Systems, das immer weniger Raum für Kompromisse lässt.

Ihre Karriere wirft wichtige Fragen auf: Ist moderater Republikanismus noch eine tragfähige politische Marke im Amerika der 2020er Jahre? Kann eine Senatorin, die einerseits mit Trump stimmt und andererseits gelegentlich gegen ihn aufbegehrt, weiterhin eine glaubwürdige überparteiliche Identität aufrechterhalten?

Die Antwort darauf wird die Wahl im November 2026 liefern. Wenn Collins gewinnt, wäre es ein klares Signal, dass moderate Positionierung und institutionelle Erfahrung immer noch Wahlkampfvorteile bieten können. Wenn sie verliert, würde das das Ende einer bestimmten Art von gemäßigtem Republikanismus markieren – zumindest in ihrer Generation.

Fazit: Eine prägende Figur im amerikanischen Senat

Susan Collins hat in fast 30 Jahren im US-Senat eine bemerkenswerte Karriere aufgebaut. Als längstdienende republikanische Frau im Senat, erste republikanische Vorsitzende des Haushaltsausschusses und eine der wenigen Stimmen für überparteilichen Kompromiss hat sie sich einen einzigartigen Platz in der amerikanischen Politik geschaffen.

Ob ihre politische Reise 2026 mit einer sechsten Amtszeit weitergeht oder an einem Wendepunkt endet – Collins bleibt eine der interessantesten und bedeutendsten Persönlichkeiten in der amerikanischen politischen Gegenwart. Ihr Karriereverlauf ist nicht nur eine individuelle Lebensgeschichte, sondern ein Spiegel der Entwicklung der amerikanischen Demokratie selbst: ihrer Stärken, ihrer Spannungen und ihrer ungelösten Widersprüche.


Sources:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.