Messi bei der WM 2026: Der letzte große Auftritt einer Legende

11 min read

Kaum ein Name hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 so geprägt wie der von Lionel Messi. Mit fast 39 Jahren steht der argentinische Kapitän zum sechsten Mal bei einer WM auf dem Platz – und ausgerechnet dieses Turnier, das viele im Vorfeld für einen ruhigen Abschied hielten, ist zu einer der eindrucksvollsten Vorstellungen seiner Karriere geworden. Am 19. Juli 2026 trifft Argentinien im Finale von East Rutherford auf Spanien. Dieser Artikel ordnet ein, wie es dazu kam, welche Rekorde Messi unterwegs gebrochen hat und warum dieses Turnier historisch bleibt.

Die WM 2026: Ein Turnier der Superlative

Die Weltmeisterschaft 2026 ist in mehrfacher Hinsicht ein Novum. Zum ersten Mal richten mit den USA, Kanada und Mexiko drei Länder gemeinsam das Turnier aus, und zum ersten Mal treten 48 statt bisher 32 Mannschaften an. Gespielt wird vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 – über 39 Tage verteilt auf 104 Partien in 16 Stadien. Das übertrifft alles, was es bei einer WM je gab.

Der neue Modus hat die Struktur des Turniers spürbar verändert. Die 48 Teams wurden in zwölf Vierergruppen eingeteilt. Weiter kamen die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe sowie die acht besten Gruppendritten. Dadurch entstand eine zusätzliche Runde: das Achtelfinale der letzten 32, bevor es über Achtelfinale, Viertelfinale und Halbfinale ins Endspiel ging. Für die Spieler bedeutet das mehr Partien, mehr Reisestrapazen und eine höhere Belastung – ein Punkt, der bei einem 38-Jährigen wie Messi durchaus eine Rolle spielt.

Das Endspiel steigt im MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey. Der Ort, an dem sonst American Football gespielt wird, ist an diesem Sonntag Schauplatz des größten Fußballspiels des Jahres.

Messis Weg zur sechsten WM

Lange war offen, ob Messi überhaupt noch einmal für Argentinien bei einer Weltmeisterschaft auflaufen würde. Nach dem Titelgewinn 2022 in Katar, dem krönenden Abschluss einer bis dahin unvollendeten Länderspielkarriere, hätte niemand ihm einen Rücktritt verübelt. Der Wechsel in die nordamerikanische Liga MLS zu Inter Miami wirkte auf viele wie der Beginn des sportlichen Ausklangs.

Doch Messi ließ die Tür offen. In Interviews äußerte er über Monate hinweg Zweifel, ob sein Körper im fortgeschrittenen Alter das Tempo einer WM noch mitgehen würde. Er wollte sich erst festlegen, wenn er sicher war, der Mannschaft wirklich helfen zu können. Genau diese Zurückhaltung machte die spätere Nominierung zu einem der emotionalsten Momente vor dem Turnier.

Als Nationaltrainer Lionel Scaloni seinen 26-köpfigen Kader bekanntgab, stand Messis Name darauf – als Kapitän und Anführer des Titelverteidigers. Es ist seine sechste WM-Teilnahme, ein Rekord, den vor ihm nur eine Handvoll Spieler der Fußballgeschichte erreicht haben. Beim ersten Gruppenspiel gegen Algerien am 16. Juni war Messi 38 Jahre und 357 Tage alt – nur zwei Tage vor seinem 39. Geburtstag.

Ein Schockmoment kurz vor dem Turnier

Beinahe wäre alles anders gekommen. Im letzten Pflichtspiel vor der WM-Pause ließ sich Messi bei Inter Miami auswechseln und hielt sich den Oberschenkel. Für Argentinien und seine Anhänger weltweit war das ein Moment des Innehaltens – die Sorge, ausgerechnet vor dem großen Turnier verletzt auszufallen.

Die medizinische Untersuchung brachte jedoch rasch Entwarnung. Diagnostiziert wurde lediglich eine Überlastung der linken Oberschenkelmuskulatur, keine strukturelle Verletzung. Messi konnte planmäßig ins Turnier gehen. Rückblickend war dieser Schrecken nur eine Fußnote – aber er zeigte, wie fragil die Erwartungen an einen Spieler in diesem Alter sind.

Argentiniens Kader: Weltmeister und neue Gesichter

Argentinien reiste als Titelverteidiger an, und das merkt man am Aufgebot. Neben Messi standen 16 weitere Weltmeister von 2022 im Kader – ein außergewöhnlich hohes Maß an Kontinuität und Erfahrung. Diese eingespielte Achse ist ein zentraler Grund, warum die Mannschaft von Scaloni so stabil auftritt.

Im Sturm sorgt ein hochkarätiges Quartett für Torgefahr: Lautaro Martínez von Inter Mailand, Julián Álvarez, der ehemalige Stuttgarter Nicolás González sowie Thiago Almada und Giuliano Simeone von Atlético Madrid. Im Mittelfeld ordnet Rodrigo De Paul das Spiel – von den Fans halb im Scherz als Messis „Leibwächter” bezeichnet – flankiert von Alexis Mac Allister vom FC Liverpool. Im Tor steht Emiliano Martínez, der schon 2022 mit spektakulären Paraden zum Titel beitrug.

Diese Mischung aus Routiniers und formstarken Angreifern gibt Messi genau das, was er in dieser Phase seiner Karriere braucht: Mitspieler, die Wege gehen, Räume öffnen und Verantwortung übernehmen, damit er seine Kräfte gezielt einsetzen kann.

Die Gruppenphase: Ein Rekord zum Auftakt

Argentinien wurde in Gruppe J gelost, gemeinsam mit Algerien, Österreich und Jordanien. Am 17. Juni ging es gegen Algerien los, danach folgten Österreich und Jordanien. Auf dem Papier eine machbare Gruppe – doch die eigentliche Geschichte schrieb Messi persönlich.

Bereits in der Gruppenphase legte der Kapitän eine Torserie hin, die seinesgleichen sucht. Im Spiel gegen Österreich, das Argentinien mit 2:0 gewann, traf Messi doppelt. Mit diesen beiden Treffern zog er an einer Marke vorbei, die viele für unantastbar gehalten hatten.

Bemerkenswert war seine Reaktion auf den Rekord. Statt großer Worte blieb Messi bescheiden: „Ich denke nicht viel darüber nach. Ich bin müde, völlig erschöpft. Ich genieße einfach den Moment.” Es ist diese Nüchternheit, die seine Ausnahmestellung unterstreicht – ein Spieler, der Rekorde bricht und trotzdem beim Spiel bleibt.

Der WM-Torrekord: Messi überholt Klose

Der wohl symbolträchtigste Moment des Turniers war der Sturz eines deutschen Rekords. Miroslav Klose hatte bei der WM 2014 mit seinem 16. Tor die alleinige Spitze der ewigen WM-Torschützenliste erklommen – eine Bestmarke, die über ein Jahrzehnt Bestand hatte.

Bei der WM 2026 zog Messi an Klose vorbei und wurde zum alleinigen WM-Rekordtorschützen. Im Gruppenspiel gegen Österreich erhöhte er sein Konto auf 18 WM-Tore und ließ die deutsche Legende damit hinter sich. Für einen Spieler, dem lange nachgesagt wurde, bei Weltmeisterschaften unter seinen Möglichkeiten zu bleiben, ist das eine späte, aber umso deutlichere Antwort.

Die Statistiken rund um diesen Rekord sind beeindruckend. Messi traf in mehreren aufeinanderfolgenden WM-Partien – eine Serie, die sich über die Turniere 2022 und 2026 erstreckt und ebenfalls einen neuen WM-Bestwert markiert. In einem Alter, in dem die meisten Profis längst zurückgetreten sind, gehört er zu den ganz wenigen Spielern, die mit fast 39 Jahren noch mehrfach bei einer WM treffen.

Es gibt allerdings auch einen kleinen Makel in dieser makellosen Bilanz: Messi verschoss im Turnierverlauf erneut einen Elfmeter und stellte damit ausgerechnet einen wenig ruhmreichen Rekord bei Fehlschüssen vom Punkt auf. Doch selbst diese Episode wirkt angesichts seiner sonstigen Ausbeute wie eine Randnotiz.

Die K.-o.-Phase: Führung statt reiner Vollstreckung

Je weiter das Turnier fortschritt, desto stärker verschob sich Messis Rolle. Wo er in der Gruppenphase noch selbst die Tore erzielte, wurde er in der K.-o.-Runde zunehmend zum Ideengeber und Vorbereiter. Das ist typisch für einen Spieler, der seine Kräfte klug einteilt und weiß, wann er in den Hintergrund tritt, um andere glänzen zu lassen.

Argentinien setzte sich Runde für Runde durch und arbeitete sich bis ins Halbfinale vor. Der Titelverteidiger bestätigte damit seine Favoritenrolle, auch wenn die einzelnen Spiele oft eng und hart umkämpft waren. Der neue Turniermodus mit einer zusätzlichen Runde forderte Substanz – und die eingespielte, erfahrene Mannschaft brachte genau diese mit.

Das Halbfinale gegen England: Spätes Drama

Das Halbfinale gegen England wurde zum Sinnbild für Argentiniens Turnier: lange zäh, am Ende brillant. Die Mannschaft von Englands Trainer Thomas Tuchel ging durch Anthony Gordon in der 55. Minute in Führung und schien mit einer disziplinierten Defensivleistung ins Finale zu marschieren.

Doch England zog sich zu weit zurück – und Messi bestrafte das. In der Schlussphase drehte Argentinien die Partie: Enzo Fernández glich in der 85. Minute aus, und in der Nachspielzeit (90.+1) traf Lautaro Martínez zum 2:1-Endstand. Beide Treffer bereitete Messi vor, mit zwei Zuspielen, die das ganze Spiel entschieden. Es war ein später, dramatischer Umschwung, der zeigte, dass Argentiniens gefährlichste Waffe auch mit fast 39 Jahren der Kapitän bleibt.

Mit diesem 2:1 zog Argentinien ins Endspiel ein – für Messi persönlich bedeutet es die dritte WM-Finalteilnahme seiner Laufbahn. Nach 2014, als Argentinien Deutschland unterlag, und 2022, als der Titel gegen Frankreich gewonnen wurde, steht er nun zum dritten Mal im wichtigsten Spiel des Weltfußballs.

Das Finale gegen Spanien am 19. Juli

Am Sonntag, den 19. Juli 2026, um 21 Uhr MESZ, wartet im MetLife Stadium der Gegner Spanien. Die spanische Mannschaft hatte sich im anderen Halbfinale mit 2:0 gegen Frankreich durchgesetzt und trifft nun auf den Titelverteidiger. Es ist die Paarung zweier Fußballkulturen, die den Weltfußball seit Jahren prägen – und für Messi die Chance, seine Karriere mit einem zweiten WM-Titel in Folge zu krönen.

Sollte Argentinien gewinnen, wäre es die erfolgreiche Titelverteidigung, die zuletzt Brasilien 1958 und 1962 gelang – ein Kunststück, das im modernen Fußball als nahezu unmöglich gilt. Für Messi persönlich wäre es der perfekte Schlusspunkt, das Ende einer Erzählung, die 2006 als 18-Jähriger begann und über zwanzig Jahre und sechs Weltmeisterschaften reicht.

England und Frankreich spielten im Übrigen um Platz drei – ein Duell zweier europäischer Schwergewichte, das im Schatten des großen Finales stand.

Messis Rekorde und Meilensteine im Überblick

Die WM 2026 hat Messis ohnehin einzigartige Bilanz um mehrere historische Marken erweitert. Die wichtigsten im Überblick:

  • Sechste WM-Teilnahme: Messi gehört damit zum exklusiven Kreis der Spieler mit den meisten WM-Auftritten der Geschichte.
  • Alleiniger WM-Rekordtorschütze: Mit dem Überholen von Miroslav Klose (16 Tore) steht Messi an der Spitze der ewigen WM-Torschützenliste.
  • Torserie über zwei Turniere: Seine Trefferserie zieht sich durch die WM 2022 und 2026 und stellt einen neuen Bestwert für aufeinanderfolgende WM-Spiele mit Torbeteiligung auf.
  • Tore im hohen Alter: Mit fast 39 Jahren gehört Messi zu den ganz wenigen Spielern, die bei einer WM in diesem Alter noch mehrfach treffen.
  • Dritte Finalteilnahme: Nach 2014 und 2022 steht Messi zum dritten Mal in einem WM-Endspiel.

Diese Zahlen zeigen, dass es sich hier nicht um das Gnadenbrot einer alternden Legende handelt, sondern um einen Spieler, der auf höchstem Niveau mitentscheidet.

Warum dieses Turnier historisch bleibt

Der Kontext macht Messis Leistung so außergewöhnlich. Die WM 2026 ist mit 48 Teams und einer zusätzlichen K.-o.-Runde das anstrengendste Turnier der Geschichte. Mehr Spiele, mehr Reisen zwischen drei riesigen Ländern, teils extreme klimatische Bedingungen in den nordamerikanischen Sommermonaten – das alles fordert junge Athleten heraus, geschweige denn einen 38-Jährigen.

Dass Messi unter diesen Umständen nicht nur mithält, sondern zum prägenden Spieler des Turniers wird, hebt seine Vorstellung über bloße Statistik hinaus. Er hat seine Spielweise angepasst: weniger Sprints, mehr Übersicht, seine Kräfte gezielt für die entscheidenden Momente aufgespart. Das ist die Reife eines Spielers, der nichts mehr beweisen muss und trotzdem liefert.

Der „letzte Tanz” – und die Frage nach der Zukunft

Rund um Messi hält sich hartnäckig das Wort vom „Last Dance”, vom letzten großen Auftritt. Vieles spricht dafür, dass die WM 2026 tatsächlich seine letzte Weltmeisterschaft ist. Bei der nächsten WM 2030 wäre er 43 Jahre alt – ein Alter, in dem selbst Ausnahmeathleten den ganz großen Bühnen fernbleiben.

Messi selbst hat sich in dieser Frage nie festlegen lassen. Er hat gelernt, keine endgültigen Aussagen über seine Zukunft zu treffen, sondern Turnier für Turnier, Saison für Saison zu entscheiden. Diese Offenheit ist Teil seines Reizes: Jeder Auftritt könnte der letzte sein, und genau das verleiht jedem Spiel dieser WM zusätzliche Bedeutung.

Ob mit oder ohne zweiten Titel in Folge – die WM 2026 hat bereits jetzt einen festen Platz in der Fußballgeschichte. Sie ist das Turnier, bei dem Messi zum unangefochtenen WM-Rekordtorschützen wurde, in einem Alter, in dem die meisten längst zurückgetreten sind, und bei dem er eine Mannschaft ein weiteres Mal ins Finale führte.

Häufige Fragen zu Messi und der WM 2026

Wie alt ist Messi bei der WM 2026? Beim ersten Gruppenspiel gegen Algerien am 16. Juni war Messi 38 Jahre alt und feierte während des Turniers, am 24. Juni, seinen 39. Geburtstag.

Ist es Messis letzte WM? Offiziell hat sich Messi nicht festgelegt. Angesichts seines Alters – bei der WM 2030 wäre er 43 – gilt es jedoch als sehr wahrscheinlich, dass 2026 sein letztes WM-Turnier ist.

Wie viele WM-Tore hat Messi? Messi ist alleiniger WM-Rekordtorschütze. Bereits in der Gruppenphase 2026 erhöhte er seine Bilanz auf 18 Treffer und überholte damit Miroslav Klose, der zuvor mit 16 Toren die Bestmarke hielt.

Gegen wen spielt Argentinien im Finale? Argentinien trifft am 19. Juli 2026 um 21 Uhr MESZ im MetLife Stadium in East Rutherford auf Spanien.

Zum wievielten Mal steht Messi im WM-Finale? Es ist seine dritte WM-Finalteilnahme nach 2014 (Niederlage gegen Deutschland) und 2022 (Titelgewinn gegen Frankreich).

Fazit

Die WM 2026 ist mehr als nur ein weiteres Turnier in Messis langer Karriere – sie ist möglicherweise ihr Höhe- und Schlusspunkt zugleich. Mit dem WM-Torrekord, der sechsten Teilnahme und der dritten Finalteilnahme hat der Argentinier Marken gesetzt, an denen sich künftige Generationen messen lassen müssen. Ob am Ende der zweite Titel in Folge steht oder nicht: Dieses Turnier hat gezeigt, dass Fußball manchmal doch die Geschichten schreibt, die man sich wünscht – ein Spieler am Ende seiner Laufbahn, der auf der größten Bühne noch einmal alles gibt.


Quellen:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.