Grippeimpfung: Alles, was Sie für die Saison 2025/2026 wissen müssen
Ich habe genug aktuelle Daten gesammelt. Hier ist der fertige Artikel:
Jedes Jahr kehrt sie zurück – die echte Grippe. Und jedes Jahr sterben in Deutschland Tausende Menschen an den Folgen dieser Erkrankung, die von vielen noch immer unterschätzt wird. Die Grippeimpfung ist das wirksamste Mittel, um schwere Verläufe, Krankenhausaufenthalte und schlimmste Komplikationen zu verhindern. Doch wer sollte sich impfen lassen? Was zahlt die Krankenkasse? Und was ist neu in der Saison 2025/2026? Dieser Artikel gibt Ihnen alle Antworten.
Grippe ist nicht gleich Erkältung
Bevor wir zur Impfung kommen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Krankheit selbst – denn viele Menschen verwechseln eine echte Grippe mit einem harmlosen Schnupfen.
Die Influenza – so der medizinische Begriff – wird durch Influenza-Viren vom Typ A oder B verursacht. Im Gegensatz zur Erkältung, die sich schleichend entwickelt, bricht die Grippe typischerweise innerhalb weniger Stunden aus:
- Hohes Fieber (38,5 bis 40 °C), oft begleitet von Schüttelfrost
- Extreme Erschöpfung und Schwäche – Betroffene können kaum das Bett verlassen
- Starke Kopf- und Gliederschmerzen
- Trockener, quälender Husten
- Halsschmerzen und Heiserkeit
Der Verlauf dauert bei unkomplizierten Fällen etwa fünf bis sieben Tage. Husten und Erschöpfung können jedoch noch wochenlang anhalten. Gefährlich wird es, wenn Komplikationen auftreten: Lungenentzündungen, Herzmuskelentzündungen oder bakterielle Superinfektionen können selbst junge, gesunde Menschen ins Krankenhaus bringen – und bei Risikogruppen tödlich enden.
Die Grippewelle 2025/2026 wird laut aktuellen Berichten unter anderem vom Influenza-A-Subtyp H3N2 dominiert – einem Stamm, der besonders bei älteren Menschen zu schweren Verläufen führen kann.
Wer sollte sich impfen lassen? Die STIKO-Empfehlungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) aktualisiert ihre Empfehlungen jährlich. Für die Saison 2025/2026 (Stand: September 2025) gilt:
Standardmäßig empfohlen und von der Krankenkasse übernommen:
- Personen ab 60 Jahren – besonders hohe Sterblichkeit bei dieser Gruppe
- Schwangere – ab dem zweiten Trimester, bei erhöhtem Risiko bereits ab dem ersten
- Chronisch Kranke jeden Alters – dazu zählen Herzerkrankungen, Diabetes, Lungenerkrankungen (z. B. Asthma, COPD), Niereninsuffizienz, Immunschwäche und weitere
- Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen der Atemwege
- Bewohner von Pflegeeinrichtungen
- Medizinisches Personal und Personen mit erhöhtem Berufsrisiko (z. B. Erzieherinnen, Pflegekräfte, Lehrkräfte)
Hinweis für alle anderen: Wer nicht zu einer Risikogruppe gehört, kann sich trotzdem impfen lassen – als sinnvoller Eigenschutz und um vulnerable Mitmenschen zu schützen. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten auch für diese Personengruppen als freiwillige Satzungsleistung.
Neu in der Saison 2025/2026: Hochdosis und adjuvantierte Impfstoffe
Ein wichtiger Fortschritt betrifft besonders ältere Menschen: Ab der Saison 2025/2026 empfiehlt die STIKO für Personen ab 60 Jahren ausdrücklich entweder einen Hochdosis-Influenza-Impfstoff oder einen MF-59-adjuvantierten Impfstoff – statt des früher verwendeten Standard-Impfstoffs.
Was ist der Unterschied?
Ein Hochdosis-Impfstoff (wie Efluelda®) enthält die vierfache Antigenmenge im Vergleich zu herkömmlichen Impfstoffen. Das ist wichtig, weil das Immunsystem im Alter schwächer auf Impfreize reagiert – ein Phänomen, das als Immunoseneszenz bezeichnet wird.
Beim MF-59-adjuvantierten Impfstoff ist ein spezieller Wirkverstärker (ein sogenanntes Adjuvans, also ein Hilfsstoff zur Immunstimulation) beigefügt, der das Immunsystem zu einer stärkeren und länger anhaltenden Reaktion anregt.
Wie viel effektiver sind diese Impfstoffe?
Studien zeigen, dass Hochdosis-Impfstoffe bei Senioren eine 10 bis 24 Prozent höhere Schutzwirkung bieten als Standard-Impfstoffe. Angesichts der Tatsache, dass die meisten grippebedingten Todesfälle auf Menschen über 60 Jahre entfallen, ist das ein klinisch bedeutsamer Unterschied.
Was ist mit Nebenwirkungen?
Durch die höhere Antigenmenge oder das Adjuvans können lokale Reaktionen an der Einstichstelle häufiger auftreten – Schmerzen, Rötung, leichte Schwellung. Auch systemische Reaktionen wie leichtes Fieber oder Kopfschmerzen werden etwas häufiger berichtet als beim Standardimpfstoff. Diese Beschwerden sind jedoch harmlos und verschwinden in der Regel nach wenigen Tagen von selbst.
Kosten und Kassenleistungen: Wer zahlt was?
Für alle Personen, bei denen die STIKO eine Impfempfehlung ausgesprochen hat, gilt: Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) übernimmt die vollständigen Kosten – für den Impfstoff und die Impfleistung. Es entstehen keine Zuzahlungen.
Für Privatversicherte (PKV) hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Tarif ab. Wer eine Risikogruppe angehört, hat in der Regel Anspruch auf Erstattung. Bei Unsicherheiten lohnt sich ein kurzer Anruf bei der Versicherung vor dem Impftermin.
Wer keiner Risikogruppe angehört, zahlt ohne Kassenleistung je nach Impfstoff und Anbieter zwischen 15 und 30 Euro für den Impfstoff plus eine Impfgebühr beim Arzt. Viele Krankenkassen haben diese Leistung jedoch ausgeweitet: Zum Beispiel übernimmt die BARMER die Grippeimpfung auch für Versicherte ab 18 Jahren ohne Vorerkrankung.
Tipp: Prüfen Sie die Satzungsleistungen Ihrer Krankenkasse – immer mehr GKV-Anbieter übernehmen die Kosten für alle volljährigen Versicherten, nicht nur für Risikogruppen.
Wo kann ich mich impfen lassen?
Früher gab es nur eine Anlaufstelle: den Hausarzt. Heute sind die Möglichkeiten deutlich vielfältiger.
Hausarztpraxis
Die klassische Anlaufstelle – ideal, weil Ihr Hausarzt Ihre Krankengeschichte kennt und Sie gegebenenfalls auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hinweisen kann. Eine Terminvereinbarung empfiehlt sich, gerade zu Stoßzeiten im Herbst.
Facharztpraxis
Auch Internisten, Kinderärzte und Gynäkologinnen dürfen impfen – letztere vor allem für schwangere Patientinnen besonders relevant.
Apotheke
Seit 2022 sind Apotheken bundesweit berechtigt, Grippeimpfungen durchzuführen – vorausgesetzt, das Apothekenpersonal hat eine entsprechende Schulung absolviert. Das ist praktisch: kurze Wege, oft ohne langen Vorlauf. Für GKV-Versicherte, die zur empfohlenen Gruppe gehören, ist die Impfung in der Apotheke ebenfalls kostenlos. Seit Herbst 2023 können beispielsweise alle BARMER-Versicherten ab 18 Jahren kostenlos in teilnehmenden Apotheken geimpft werden.
Betriebsärztlicher Dienst
Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden die Grippeimpfung über den Betriebsarzt an – oft direkt im Büro, kostenlos und ohne Terminaufwand.
Gesundheitsamt
In manchen Gemeinden und Städten werden saisonale Impfkampagnen angeboten. Informationen dazu finden Sie auf den Webseiten Ihrer Stadt oder Gemeinde.
Der richtige Zeitpunkt: Wann impfen?
Die Grippesaison in Deutschland beginnt typischerweise im Dezember oder Januar und kann bis März oder April andauern. Der ideale Impfzeitpunkt liegt im Oktober oder November – damit das Immunsystem bis zum Start der Welle ausreichend Zeit hatte, Antikörper aufzubauen. Etwa zwei Wochen nach der Impfung ist der Schutz vollständig ausgebildet.
Wer den Herbsttermin verpasst hat, kann sich auch noch während der laufenden Welle impfen lassen – ein späterer Schutz ist besser als gar keiner.
Warum jedes Jahr neu impfen? Das Influenzavirus mutiert schnell. Jedes Jahr werden die am häufigsten zirkulierenden Stämme neu analysiert und die Impfstoff-Zusammensetzung entsprechend angepasst. Eine Impfung aus dem Vorjahr bietet in der Folgesaison keinen ausreichenden Schutz mehr.
Wirksamkeit: Was kann die Impfung leisten?
Die Wirksamkeit der Grippeimpfung variiert von Jahr zu Jahr, abhängig davon, wie gut die Impfstoff-Stämme mit den tatsächlich zirkulierenden Viren übereinstimmen. Im Durchschnitt liegt die Schutzwirkung bei 40 bis 60 Prozent in der Allgemeinbevölkerung – bei guter Übereinstimmung auch höher.
Das klingt vielleicht nicht spektakulär. Doch entscheidend ist nicht nur, ob man sich überhaupt infiziert, sondern vor allem: Geimpfte, die dennoch erkranken, haben deutlich mildere Verläufe, seltener Komplikationen und ein signifikant geringeres Risiko für eine Krankenhauseinweisung. Besonders für Risikogruppen bedeutet das im schlimmsten Fall den Unterschied zwischen Leben und Tod.
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte für die Saison 2025/2026 bereits im Oktober 2025 mehr als 18 Millionen Impfstoffdosen freigegeben – ein Zeichen dafür, dass Behörden und Hersteller die Versorgung in Deutschland ernst nehmen.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Die Grippeimpfung ist seit Jahrzehnten im Einsatz und gilt als sehr sicher. Die häufigsten Reaktionen sind mild und vorübergehend:
- Lokale Reaktionen: Schmerzen, Rötung, leichte Schwellung an der Einstichstelle (klingen nach ein bis drei Tagen ab)
- Allgemeinreaktionen: Kurzes Krankheitsgefühl, leichtes Fieber, Müdigkeit – diese sind als Zeichen einer aktiven Immunreaktion zu verstehen
- Selten: Allergische Reaktionen (vorwiegend auf Impfstoffbestandteile)
Wichtig: Durch die Impfung kann man keine Grippe bekommen. Die verwendeten Impfstoffe enthalten entweder inaktivierte (abgetötete) Viren oder nur einzelne Virusbestandteile – keine vermehrungsfähigen Erreger.
Wer eine bekannte Allergie gegen einen Impfstoffbestandteil hat, sollte vorab mit dem Arzt sprechen.
Gesellschaftliche Bedeutung: Herdenschutz und Solidarität
Eine Grippeimpfung ist nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch ein Akt der Solidarität. Neugeborene, schwer Immungeschwächte und Menschen, bei denen die Impfung nicht anschlägt, sind auf den Schutz durch ihre geimpfte Umgebung angewiesen – das Prinzip des sogenannten Gemeinschaftsschutzes (Herdenschutz).
Intensivmediziner fordern daher seit Dezember 2025, die STIKO-Empfehlungen auszuweiten: Sie plädieren dafür, dass Kinder ab sechs Monaten und alle Erwachsenen unabhängig von Risikogruppen geimpft werden sollten. Damit würden lebensbedrohliche Verläufe auf breiter Ebene verhindert.
Fazit: Impfen ist die wichtigste Schutzmaßnahme
Die Grippeimpfung ist kein Allheilmittel – aber sie ist das effektivste Werkzeug, das wir gegen eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten des Winters haben. Für Risikogruppen ist sie unverzichtbar, für alle anderen eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Die Saison 2025/2026 bringt wichtige Neuerungen: Ältere Menschen profitieren von wirksamen Hochdosis- und adjuvantierten Impfstoffen. Die Zugangsmöglichkeiten wurden erweitert – Apotheken, Betriebsärzte und Hausarztpraxen machen die Impfung so niedrigschwellig wie nie zuvor. Und für die meisten GKV-Versicherten ist sie kostenlos.
Sprechen Sie am besten jetzt, im Herbst, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke an – bevor die Welle rollt.
Quellen:
- RKI – STIKO-Impfempfehlung Influenza (Stand: 8.9.2025)
- RKI – Hochdosis- und MF-59-adjuvantierter Impfstoff (Stand: 8.9.2025)
- RKI – Wirksamkeit der Grippeimpfung (Stand: 8.9.2025)
- Paul-Ehrlich-Institut – Influenza-Impfstoffe 2025/2026 freigegeben
- KBV – STIKO empfiehlt weiteren Grippeimpfstoff für über 60-Jährige
- ABDA – Grippeschutzimpfungen in Apotheken
- transparent-beraten.de – Grippeimpfung: Das zahlen PKV und GKV (2026)
- BARMER – Grippeschutzimpfung
- Ärzteblatt – Intensivmediziner drängen STIKO zu Ausweitung der Empfehlungen