Franziska Preuß: Die Karriere einer der erfolgreichsten deutschen Biathletinnen

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Wenn über deutsche Biathlon-Geschichte der vergangenen Jahre gesprochen wird, führt kein Weg an Franziska Preuß vorbei. Die Bayerin hat in ihrer 13 Jahre langen Weltcup-Karriere fast alles erlebt, was dieser Sport zu bieten hat: frühe Erfolge als Teenagerin, bittere gesundheitliche Rückschläge, den lange ersehnten Triumph im Gesamtweltcup und schließlich einen emotionalen Abschied bei den Olympischen Winterspielen 2026. Dieser Artikel zeichnet ihren Weg nach – von den Anfängen in Oberbayern bis zum Karriereende – und erklärt, warum sie als eine der prägenden Figuren des deutschen Wintersports gilt.

Wer ist Franziska Preuß? Herkunft und Anfänge

Franziska Preuß wurde am 11. März 1994 in Wasserburg am Inn geboren und wuchs in der Region um Haag in Oberbayern auf. Ihrem Heimatverein, dem SC Haag, blieb sie über ihre gesamte Laufbahn treu – ein Detail, das viel über ihre Bodenständigkeit aussagt. Wie viele erfolgreiche deutsche Wintersportlerinnen durchlief sie das klassische Fördersystem: Skigymnasium, Landeskader, Juniorenbereich. Beruflich war sie zudem Teil des Zoll-Skiteams, das vielen deutschen Spitzenathleten die Kombination aus sportlicher Karriere und beruflicher Absicherung ermöglicht.

Schon im Nachwuchsbereich deutete sich an, dass hier ein außergewöhnliches Talent heranwuchs. Bei Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften sammelte Preuß Medaillen und machte die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbands früh auf sich aufmerksam. Am 28. November 2013 gab sie schließlich ihr Debüt im Biathlon-Weltcup – mit gerade einmal 19 Jahren. Der Sprung ins Erwachsenen-Weltcup-Feld gelang ihr bemerkenswert schnell: Bereits in ihren ersten Saisons etablierte sie sich in der erweiterten Weltspitze.

Der Durchbruch: Erste Erfolge im Weltcup und bei Weltmeisterschaften

Ihren ersten großen Titel gewann Franziska Preuß bereits 2015: Bei der Weltmeisterschaft im finnischen Kontiolahti holte sie mit der deutschen Frauenstaffel Gold. Für eine 21-Jährige war das ein Ausrufezeichen – und der Beginn einer beeindruckenden Sammlung von insgesamt elf WM-Medaillen, die sie im Laufe ihrer Karriere zusammentragen sollte.

Auf den ersten Einzelsieg im Weltcup musste sie allerdings länger warten, als es ihr Talent vermuten ließ. Erst 2019 war es so weit: Ausgerechnet beim Heimweltcup in Ruhpolding, vor Zehntausenden deutschen Fans in der Chiemgau-Arena, gewann sie den Massenstart. Wer die Bilder von damals gesehen hat, versteht, was dieser Sieg für sie bedeutete – der Knoten war geplatzt, und das ausgerechnet quasi vor der eigenen Haustür.

Insgesamt stehen am Ende ihrer Karriere sechs Einzelsiege und 14 Weltcupsiege inklusive Staffelerfolge zu Buche. Diese Zahlen erzählen jedoch nur die halbe Geschichte. Denn was Preuß auszeichnete, war weniger die Fähigkeit zu einzelnen Ausnahmerennen als vielmehr ihre außergewöhnliche Konstanz – eine Qualität, die im Biathlon, wo ein einziger Fehlschuss alles entscheiden kann, Gold wert ist.

Die Schattenseite: Gesundheitliche Rückschläge als ständiger Begleiter

Kaum eine Karriere im deutschen Wintersport war so stark von gesundheitlichen Problemen geprägt wie die von Franziska Preuß. Über Jahre hinweg warfen sie immer wieder Infekte und andere gesundheitliche Beschwerden zurück – oft ausgerechnet dann, wenn sie in Topform schien. Ganze Saisonabschnitte fielen aus, Weltmeisterschaften mussten abgesagt oder angeschlagen bestritten werden, und mehr als einmal stand die Frage im Raum, ob sich die Schinderei überhaupt noch lohnt.

Diese Krankheitsgeschichte ist wichtig, um ihre Karriere richtig einzuordnen. Denn sie erklärt, warum eine Athletin mit ihren Fähigkeiten “nur” sechs Einzelsiege feierte – und warum ihr späterer Triumph im Gesamtweltcup von Fans, Medien und Kolleginnen als so besonders empfunden wurde. Die Sportschau beschrieb ihr Karriereende später treffend als einen “Abschied wie eine Erlösung”: Preuß hatte sich über Jahre durch Rückschläge gekämpft, die andere Athletinnen vermutlich zum Aufhören gebracht hätten. Ihre Fähigkeit, immer wieder zurückzukommen, machte sie für viele zur heimlichen Identifikationsfigur des deutschen Biathlons.

Die Krönung: Gesamtweltcup-Sieg in der Saison 2024/25

Die Saison 2024/25 wurde zum Märchen, auf das Franziska Preuß mehr als ein Jahrzehnt hingearbeitet hatte. Endlich weitgehend von gesundheitlichen Problemen verschont, lieferte sie von Beginn an ab – und zwar mit einer Beständigkeit, die im Weltcup ihresgleichen suchte. In 13 von 21 Einzelrennen stand sie auf dem Podium. Diese Quote von über 60 Prozent ist der Kern ihres Erfolgs: Während ihre Konkurrentinnen zwischen Sieg und Totalausfall schwankten, sammelte Preuß Rennen für Rennen Punkte.

WM-Gold in Lenzerheide

Höhepunkt Nummer eins dieser Traumsaison war die Weltmeisterschaft 2025 im schweizerischen Lenzerheide. Dort gewann Preuß Gold in der Verfolgung – ihren ersten Einzel-WM-Titel. Zehn Jahre nach dem Staffel-Gold von 2015 hatte sie sich damit auch individuell zur Weltmeisterin gekrönt. Für eine Athletin, deren Karriere so oft von Pech geprägt war, hätte der Zeitpunkt kaum passender sein können.

Herzschlagfinale in Oslo

Höhepunkt Nummer zwei folgte beim Saisonfinale in Oslo am Holmenkollen. Der Kampf um die große Kristallkugel, die Trophäe für den Gesamtweltcup-Sieg, hatte sich über den gesamten Winter zu einem Duell mit der Französin Lou Jeanmonnot zugespitzt. Vor dem letzten Rennen lag Preuß zurück – doch im entscheidenden Massenstart drehte sie den Spieß um: Sie gewann das Rennen, überflügelte Jeanmonnot in der Gesamtwertung und sicherte sich erstmals in ihrer Karriere den Gesamtweltcup.

Es war ein Finale, wie es sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können, und es machte Preuß zur ersten deutschen Gesamtweltcup-Siegerin seit Jahren. Mit 31 Jahren stand sie damit endgültig dort, wo Experten sie aufgrund ihres Talents schon lange vermutet hatten: an der Spitze des Weltbiathlons.

Olympische Spiele: Vier Teilnahmen, zwei Medaillen

Franziska Preuß nahm im Laufe ihrer Karriere an vier Olympischen Winterspielen teil. Die olympische Bühne blieb dabei lange das Kapitel, in dem ihr das ganz große Einzelergebnis verwehrt blieb – auch das gehört zur ehrlichen Bilanz dieser Karriere.

Bronze in Peking 2022

Ihre erste olympische Medaille gewann sie bei den Winterspielen 2022 in Peking: Bronze mit der deutschen Frauenstaffel. In einem Wettbewerb, in dem das deutsche Team über Jahre hinweg zwischen Weltklasse und Krise pendelte, war dieser Podestplatz ein wichtiges Signal – und für Preuß persönlich die Belohnung für ihre Rolle als Führungsspielerin der Staffel.

Der Abschied: Milano Cortina 2026

Die Olympischen Winterspiele 2026, deren Biathlon-Wettbewerbe in Antholz ausgetragen wurden, hatte Preuß frühzeitig zu ihrem letzten großen Karriereziel erklärt. Schon vor dem Winter stand fest: Nach den Spielen ist Schluss. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, die ihre Auftritte in Südtirol begleiteten.

Sportlich verliefen die Einzelrennen durchwachsen: Im Sprint wurde sie als beste Deutsche Siebte, in der Verfolgung kostete sie ein doppelter Fehler im letzten Schießen eine mögliche Medaille – am Ende stand Rang sechs. Die Frauenstaffel mit Julia Tannheimer, Preuß, Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt verpasste als Vierte das Podium denkbar knapp.

Doch eine Medaille nahm sie aus Antholz dennoch mit: Mit der Mixed-Staffel gewann Preuß Bronze – trotz einer Strafrunde, wie sie hinterher selbst mit einer Mischung aus Erleichterung und Humor einräumte. Es war die perfekte Klammer um eine Karriere, die 2015 mit Staffel-Gold begonnen hatte und nun mit olympischem Staffel-Edelmetall endete.

Karriereende nach 13 Jahren: Bilanz einer außergewöhnlichen Laufbahn

Mit dem Ende der Winterspiele 2026 beendete Franziska Preuß nach 13 Jahren im Weltcup ihre aktive Karriere. Sie selbst blickte in Interviews auf eine “wahnsinnig spannende” und “coole Zeit” zurück – wohl wissend, dass ihre Laufbahn alles andere als geradlinig verlief. Die nüchterne Bilanz liest sich beeindruckend:

  • Gesamtweltcup-Siegerin 2024/25 – mit Podestplätzen in 13 von 21 Einzelrennen
  • Zweifache Weltmeisterin: Staffel-Gold 2015, Verfolgungs-Gold 2025 in Lenzerheide
  • Elf WM-Medaillen insgesamt
  • Zwei olympische Bronzemedaillen: Frauenstaffel 2022 in Peking, Mixed-Staffel 2026 in Antholz
  • Sechs Einzelsiege und insgesamt 14 Weltcupsiege
  • Vier Olympia-Teilnahmen

Zahlen allein werden ihr allerdings nicht gerecht. Preuß galt über Jahre als die vielleicht kompletteste deutsche Biathletin ihrer Generation: läuferisch stark, am Schießstand überdurchschnittlich sicher und taktisch klug. Dass sie ihre beste Saison ausgerechnet im Alter von 30, 31 Jahren ablieferte, macht sie zudem zu einem Beispiel dafür, dass Geduld und Beharrlichkeit sich im Leistungssport auszahlen können.

Was Franziska Preuß für den deutschen Biathlon bedeutet

Der deutsche Biathlon befindet sich seit dem Rücktritt von Ikonen wie Laura Dahlmeier in einem Umbruch. In dieser Phase war Franziska Preuß über Jahre das Gesicht und der sportliche Anker des Frauenteams. Ihr Gesamtweltcup-Sieg 2024/25 bewies, dass deutsche Athletinnen auch in einer Ära dominanter französischer und norwegischer Teams ganz oben stehen können.

Mindestens ebenso wichtig ist ihre Rolle als Vorbild für die nachrückende Generation. Junge Athletinnen wie Julia Tannheimer, mit der Preuß bei Olympia 2026 gemeinsam in der Staffel lief, wachsen in ein Team hinein, das von Preuß’ Professionalität und Erfahrung geprägt wurde. Der Staffelstab – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – ist übergeben.

Und schließlich hat ihre Geschichte eine Dimension, die über den Sport hinausreicht: der Umgang mit Rückschlägen. Wer über Jahre immer wieder von Krankheiten ausgebremst wird und trotzdem weitermacht, bis am Ende die große Kristallkugel im Regal steht, erzählt eine Geschichte von Resilienz, die auch Menschen erreicht, die sich sonst wenig für Wintersport interessieren.

Häufige Fragen zu Franziska Preuß

Wann und wo wurde Franziska Preuß geboren?

Franziska Preuß wurde am 11. März 1994 in Wasserburg am Inn geboren und startete für den SC Haag in Oberbayern.

Was war ihr größter Erfolg?

Ihr größter Einzelerfolg ist der Gewinn des Gesamtweltcups in der Saison 2024/25, den sie sich in einem dramatischen Finale in Oslo gegen Lou Jeanmonnot sicherte. Hinzu kommt der WM-Titel in der Verfolgung 2025 in Lenzerheide.

Wie viele Medaillen hat sie bei Olympischen Spielen gewonnen?

Bei vier Olympia-Teilnahmen gewann sie zwei Bronzemedaillen: 2022 in Peking mit der Frauenstaffel und 2026 bei den Spielen von Milano Cortina mit der Mixed-Staffel.

Warum hat Franziska Preuß ihre Karriere beendet?

Sie hatte die Olympischen Winterspiele 2026 frühzeitig als letztes großes Ziel definiert. Nach 13 Jahren im Weltcup, zahlreichen gesundheitlichen Rückschlägen und dem erfüllten Traum vom Gesamtweltcup-Sieg beendete sie ihre Laufbahn zum für sie perfekten Zeitpunkt – auf dem Höhepunkt und aus freien Stücken.

Wie viele Weltcupsiege hat sie gefeiert?

Insgesamt stehen 14 Weltcupsiege in ihrer Bilanz, davon sechs in Einzelrennen. Ihren ersten Einzelsieg feierte sie 2019 im Massenstart beim Heimweltcup in Ruhpolding.

Fazit: Eine Karriere, die in Erinnerung bleibt

Die Laufbahn von Franziska Preuß ist die Geschichte einer Athletin, die nie den einfachen Weg hatte – und gerade deshalb so viele Menschen berührt hat. Vom Staffel-Gold als 21-Jährige über Jahre voller gesundheitlicher Rückschläge bis zum Triumph im Gesamtweltcup und dem versöhnlichen olympischen Abschied in Antholz: Kaum eine deutsche Wintersport-Karriere der jüngeren Vergangenheit vereint Höhen und Tiefen so eindrücklich.

Mit ihrem Rücktritt verliert der Biathlon-Weltcup eine seiner konstantesten und beliebtesten Athletinnen. Was bleibt, sind eine große Kristallkugel, elf WM-Medaillen, zwei olympische Bronzemedaillen – und das Bild einer Sportlerin, die bewiesen hat, dass Beharrlichkeit am Ende belohnt wird. Der deutsche Biathlon wird noch lange von dem zehren, was Franziska Preuß aufgebaut hat.


Quellen (Quellen: ZDF heute, Olympics.com – Gesamtweltcup Oslo, Olympics.com – Saisonbilanz 2024/25, Olympics.com – Karriereende, Olympics.com – Mixed-Staffel Bronze 2026, Sportschau – Karriereende, Sportschau – Verfolgung Olympia 2026, ZDF – Frauenstaffel Olympia 2026, Zoll-Skiteam, franziska-preuss.de – Erfolge)

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.