FIFA-Präsident: Amt, Macht und Geschichte des mächtigsten Mannes im Weltfußball

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Kaum ein Amt im Weltsport vereint so viel Einfluss, Geld und öffentliche Aufmerksamkeit wie das des FIFA-Präsidenten. Wer an der Spitze des Fußball-Weltverbandes steht, entscheidet über Milliardenbudgets, WM-Austragungsorte und die Zukunft des beliebtesten Sports der Welt. Seit 2016 heißt dieser Mann Gianni Infantino – und seine Amtszeit sorgt regelmäßig für Schlagzeilen, sei es wegen seines Gehalts, seiner Nähe zu Staatsoberhäuptern oder seiner Reformpläne. Dieser Artikel erklärt, welche Aufgaben mit dem Amt verbunden sind, wie die Wahl abläuft, wer die Vorgänger waren und welche Kontroversen das Amt seit jeher begleiten.

Was macht der FIFA-Präsident eigentlich?

Der FIFA-Präsident ist das oberste Repräsentationsorgan der Fédération Internationale de Football Association, des Weltverbandes mit Sitz in Zürich. Formal steht er an der Spitze des FIFA-Council, dem strategischen Führungsgremium des Verbandes, das sich aus Vertretern der sechs Kontinentalverbände zusammensetzt. Zu den Kernaufgaben zählen:

  • Repräsentation nach außen: Der Präsident vertritt die FIFA gegenüber Regierungen, dem Internationalen Olympischen Komitee, Sponsoren und den 211 Mitgliedsverbänden.
  • Strategische Führung: Gemeinsam mit dem Council entscheidet er über große Linien wie die Reform von Wettbewerben, die Vergabe von Weltmeisterschaften oder die Verteilung der Verbandseinnahmen.
  • Wirtschaftliche Steuerung: Die FIFA erwirtschaftet durch TV-Rechte, Sponsoring und Ticketing im WM-Zyklus Milliardenbeträge. Der Präsident prägt maßgeblich, wie diese Mittel an die Mitgliedsverbände verteilt werden.
  • Vermittlerrolle: In politisch aufgeladenen Situationen, etwa bei Ausschlüssen einzelner Nationalverbände oder Konflikten zwischen Konföderationen, tritt der Präsident als Vermittler auf.

Wichtig ist: Der FIFA-Präsident ist kein Alleinherrscher. Operative Entscheidungen liegen bei der Generalsekretärin beziehungsweise dem Generalsekretär und der Verwaltung, während strategische Beschlüsse im Council und beim jährlichen FIFA-Kongress fallen, an dem alle Mitgliedsverbände teilnehmen. Dennoch hat die Geschichte gezeigt, dass ein starker Präsident die Richtung des Weltfußballs über Jahrzehnte prägen kann.

Wie wird der FIFA-Präsident gewählt?

Die Wahl findet alle vier Jahre im Rahmen des FIFA-Kongresses statt, an dem jeder der 211 Mitgliedsverbände eine Stimme hat – unabhängig von Größe, Bevölkerung oder sportlicher Bedeutung des jeweiligen Landes. Diese Struktur sorgt dafür, dass kleine Fußballnationen wie die Cookinseln rechnerisch das gleiche Gewicht haben wie Fußballgroßmächte wie Brasilien oder Deutschland. Genau das erklärt, warum Kandidaten für das Präsidentenamt frühzeitig um die Unterstützung der Kontinentalverbände werben, allen voran der Afrikanischen Fußball-Konföderation (CAF) mit 54 Stimmen, der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) mit 46 Stimmen sowie der südamerikanischen CONMEBOL mit 10 Stimmen.

Um überhaupt kandidieren zu können, benötigen Bewerber die schriftliche Unterstützung mehrerer Mitgliedsverbände. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang eine Zweidrittelmehrheit oder in einem möglichen zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Die Amtszeit ist grundsätzlich auf drei Perioden von jeweils vier Jahren begrenzt, wobei die genaue Auslegung dieser Regel in der Vergangenheit selbst innerhalb der FIFA umstritten war.

Gianni Infantino: Der amtierende FIFA-Präsident

Gianni Infantino, gebürtiger Schweizer, übernahm das Amt im Februar 2016 in einer Ausnahmesituation: Sein Vorgänger Sepp Blatter war nach massiven Korruptionsvorwürfen zurückgetreten, und der Verband stand vor einem Scherbenhaufen aus Ermittlungsverfahren und Vertrauensverlust. Infantino, zuvor Generalsekretär der UEFA, trat mit dem Versprechen an, die FIFA zu reformieren und transparenter zu machen.

Seit seinem Amtsantritt hat Infantino den Verband deutlich umgebaut: Die WM-Endrunde wurde von 32 auf 48 Teams erweitert, die erstmals 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Zudem etablierte er die neu aufgelegte Klub-Weltmeisterschaft mit 32 teilnehmenden Vereinen, deren erste Ausgabe 2025 in den USA stattfand.

Laut dem offiziellen FIFA-Jahresbericht für 2025 blieb Infantinos Grundgehalt mit 2,6 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 3,3 Millionen US-Dollar) unverändert. Sein Bonus stieg jedoch um 550.000 Schweizer Franken auf 2,2 Millionen Schweizer Franken (etwa 2,78 Millionen US-Dollar), was einer Steigerung von rund 33 Prozent gegenüber den beiden Vorjahren entspricht, in denen der Bonus jeweils bei 1,65 Millionen Franken lag. In Summe kam Infantino damit 2025 auf ein Vergütungspaket von rund sechs Millionen US-Dollar – eine Steigerung, die die FIFA offiziell mit dem wirtschaftlichen Erfolg der ersten Klub-Weltmeisterschaft begründete.

Auf dem FIFA-Kongress 2026 in Vancouver kündigte Infantino an, bei der Wahl im März 2027 in Rabat, Marokko, erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren. Ein ernstzunehmender Gegenkandidat ist bislang nicht in Sicht, weshalb eine erneute Bestätigung Infantinos in Fachkreisen weitgehend als Formsache gilt. Möglich wird die erneute Kandidatur durch eine vom FIFA-Council vor einigen Jahren beschlossene Statutenänderung, die es Infantino erlaubt, bis 2031 im Amt zu bleiben – seine erste, nur knapp drei Jahre dauernde Amtszeit von 2016 bis 2019 wurde dabei nicht als vollständige Amtsperiode gewertet. Bereits vor der offiziellen Wahl sicherten sich die Konföderationen aus Südamerika, Afrika und Asien ihre Unterstützung zu, was rechnerisch bereits eine Mehrheit der 211 Stimmen ergibt.

Die Geschichte des Amtes: Von Jules Rimet bis zur Gegenwart

Das Amt des FIFA-Präsidenten existiert seit der Gründung des Verbandes im Jahr 1904, doch seine heutige Bedeutung erlangte es erst im Lauf des 20. Jahrhunderts.

Jules Rimet (1921–1954): Der Franzose gilt als eigentlicher Architekt des modernen Weltfußballs. Mit einer Amtszeit von 33 Jahren ist er bis heute der am längsten amtierende FIFA-Präsident überhaupt. Sein größtes Vermächtnis ist die Einführung der Fußball-Weltmeisterschaft, deren erste Ausgabe 1930 in Uruguay stattfand. Zu seinen Ehren wurde der ursprüngliche WM-Pokal nach ihm benannt.

João Havelange (1974–1998): Der Brasilianer, ein ehemaliger Olympia-Schwimmer und Wasserballspieler, war der erste nicht-europäische FIFA-Präsident und leitete damit einen Epochenwechsel ein. Unter seiner Führung wurde der Fußball durch gezielte Entwicklungsprogramme in Afrika und Asien zu einem wirklich globalen Sport ausgebaut und die FIFA erstmals konsequent kommerzialisiert.

Sepp Blatter (1998–2015): Der Schweizer, zuvor selbst langjähriger FIFA-Generalsekretär, übernahm einen Verband, der von den sieben Gründungsmitgliedern von 1904 auf 211 Mitgliedsverbände angewachsen war und mittlerweile Milliardenumsätze generierte. Blatters Amtszeit endete abrupt: 2015 wurde er von der FIFA-Ethikkommission vorübergehend suspendiert, woraufhin er im Juni desselben Jahres seinen Rücktritt erklärte – der Auftakt zur bislang tiefsten Krise in der Verbandsgeschichte.

Gianni Infantino (seit 2016): Nach der Krisenzeit unter Blatter übernahm Infantino ein angeschlagenes Amt und positionierte sich seither als Reformer, wirtschaftlicher Expansionist und zunehmend auch als politischer Akteur mit engen Kontakten zu Staats- und Regierungschefs weltweit.

Macht, Kontroversen und Kritik

Das Amt des FIFA-Präsidenten war historisch selten frei von Kontroversen – ein Umstand, der eng mit der enormen wirtschaftlichen und politischen Bedeutung des Weltfußballs zusammenhängt.

Die Korruptionsaffäre 2015: Der bislang größte Skandal in der FIFA-Geschichte führte zur Verhaftung mehrerer hochrangiger Funktionäre durch das FBI und die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Korruption, Geldwäsche und Betrug im Zusammenhang mit der Vergabe von Sportrechten. Die Affäre kostete letztlich Sepp Blatter das Amt und stürzte den Verband in eine tiefe Vertrauenskrise.

Kritik an Infantinos Führungsstil: Infantino wird regelmäßig für seine Nähe zu autoritär regierten Staaten kritisiert, unter anderem im Zusammenhang mit der WM-Vergabe nach Katar 2022 und seiner Rolle bei diplomatischen Auftritten neben Staatschefs. Menschenrechtsorganisationen bemängeln zudem wiederholt unzureichende Reformen bei Arbeitsbedingungen in Gastgeberländern von FIFA-Turnieren.

Die Ein-Land-eine-Stimme-Struktur: Das Wahlsystem, bei dem jeder Mitgliedsverband unabhängig von seiner fußballerischen oder wirtschaftlichen Bedeutung eine gleichwertige Stimme besitzt, wird von Kritikern als anfällig für Klientelpolitik bezeichnet. Entwicklungsprogramme und Fördergelder, die kleinere Verbände erhalten, stehen dabei immer wieder im Verdacht, auch der Absicherung von Wählerstimmen zu dienen.

Gehaltsdebatten: Die millionenschwere Vergütung des Präsidenten sorgt regelmäßig für öffentliche Diskussionen, insbesondere weil die FIFA offiziell als gemeinnützige Organisation nach Schweizer Recht organisiert ist. Befürworter verweisen auf die Größe des Verbandes und die Vergleichbarkeit mit Gehältern anderer internationaler Sportorganisationen, Kritiker sehen einen Widerspruch zum eigentlichen Zweck des Verbandes.

Die wirtschaftliche Dimension des Amtes

Die FIFA generiert im Vierjahreszyklus rund um eine Weltmeisterschaft Einnahmen im Milliardenbereich, vor allem durch den Verkauf von TV- und Medienrechten, Sponsoringverträge mit globalen Marken sowie Ticketing. Ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt über Entwicklungsprogramme an die 211 Mitgliedsverbände zurück, etwa in Form von Infrastrukturförderung, Trainerausbildung oder Nachwuchsprogrammen.

Der Präsident hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie diese Gelder verteilt werden, und prägt damit direkt die Entwicklungschancen des Fußballs in ärmeren Ländern. Gleichzeitig ist die FIFA für ihre wirtschaftliche Schlagkraft auf die Erweiterung ihrer Wettbewerbe angewiesen – ein Grund, warum unter Infantino sowohl die WM-Endrunde als auch die Klub-Weltmeisterschaft deutlich vergrößert wurden. Kritiker sehen in dieser Expansionsstrategie in erster Linie eine Maximierung der Einnahmen, Befürworter verweisen auf mehr internationale Teilnahmemöglichkeiten für kleinere Fußballnationen.

Ausblick: Was steht als Nächstes an?

Mit Blick auf die kommenden Jahre stehen mehrere wegweisende Entscheidungen an, die eng mit dem Amt des FIFA-Präsidenten verknüpft sind. Die für März 2027 in Rabat angesetzte Präsidentschaftswahl gilt aufgrund der breiten Unterstützung aus mehreren Kontinentalverbänden als wahrscheinliche Bestätigung Infantinos, der aufgrund der geltenden Amtszeitbegrenzung anschließend eine letzte Amtsperiode bis 2031 antreten könnte. Zudem stehen weitere Reformdiskussionen zur Struktur der Klub-Weltmeisterschaft, zur Verteilung der WM-Einnahmen sowie zu Menschenrechtsstandards bei künftigen Turnieren im Raum.

Unabhängig davon, wer künftig an der Spitze des Verbandes steht: Das Amt des FIFA-Präsidenten bleibt eine der einflussreichsten Positionen im globalen Sport – mit einer Reichweite, die weit über den Fußballplatz hinausgeht, und einer Verantwortung, die zwischen sportlicher Entwicklung, wirtschaftlichen Interessen und globaler Politik austariert werden muss.


Sources:

Der Artikel ist fertig (Ausgabe oben, nicht als Datei gespeichert, da die Schreibberechtigung nicht erteilt wurde — bei Bedarf sage ich Bescheid, dann versuche ich es erneut).

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.