Elon Musk und das ZDF: Dokumentationen, Satire und ein handfester Rechtsstreit

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Ich habe genug verifizierte Fakten. Hier ist der Artikel.

Kaum eine Person polarisiert die deutsche Medienöffentlichkeit so stark wie Elon Musk. Der reichste Mensch der Welt ist Unternehmer, Plattformbesitzer und politischer Akteur in einem – und genau diese Mischung macht ihn zum Dauerthema in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Das ZDF hat sich Musk in den vergangenen Jahren aus gleich mehreren Richtungen genähert: mit ausführlichen Dokumentationen, mit bissiger Satire und, im Sommer 2025, mit einer Nachrichtenmeldung, die dem Sender einen ernsten juristischen Konflikt einbrachte. Wer nach „Elon Musk ZDF” sucht, landet also nicht bei einem einzelnen Beitrag, sondern bei einem ganzen Geflecht aus Formaten und Kontroversen. Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Berührungspunkte ein.

„Die Elon-Musk-Story”: das große ZDF-Porträt

Das bekannteste ZDF-Format zum Thema ist die Dokumentation „Die Elon-Musk-Story. Superreich und supermächtig”. Sie lief am Dienstag, den 11. März 2025, um 20:15 Uhr im Hauptprogramm des ZDF und war bereits ab dem Morgen des Sendetages in der ZDF-Mediathek abrufbar. Regie führten Carolin Heise und Tristan Söhngen.

Der Film versucht das, woran sich viele Musk-Porträts abarbeiten: die Spannung zwischen Genie und Größenwahn greifbar zu machen. Er zeichnet den Weg vom Start-up-Gründer über Tesla und SpaceX bis zum politisch einflussreichen Milliardär nach – zeigt aber auch die Brüche in dieser Erzählung. Dass Musk mehrfach aus seinen eigenen Unternehmen gedrängt wurde, dass seine Äußerungen auf seiner Plattform X immer wieder Kontroversen auslösen und dass sein politisches Engagement höchst umstritten ist, gehört zum Bild dazu.

Bemerkenswert an dieser Produktion ist die Riege der Gesprächspartner. Für das ZDF sprach unter anderem Errol Musk, der Vater des Tech-Milliardärs, in einem exklusiven Interview über die Kindheit und Jugend seines Sohnes. Hinzu kamen prominente Stimmen aus Wirtschaft und Politik: der Investor Carsten Maschmeyer, der frühere VW-Chef Herbert Diess, der CDU-Politiker Armin Laschet und der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Gerade Diess ist als Interviewpartner naheliegend, weil er als Volkswagen-Chef den Aufstieg von Tesla aus nächster Nähe und als direkter Wettbewerber miterlebt hat.

Die Auswahl der Gesprächspartner ist zugleich die Stärke und die Angriffsfläche solcher Porträts. Ein Interview mit dem Vater liefert intime Einblicke, die kein Rechercheur von außen bekommt – birgt aber die Gefahr, dass Familiennarrative unwidersprochen stehen bleiben. Wer die Doku anschaut, sollte diese Perspektiven also als das lesen, was sie sind: Einordnungen von Menschen, die Musk auf sehr unterschiedliche Weise begegnet sind.

ZDFinfo: die dokumentarische Langstrecke

Neben dem einzelnen Prime-Time-Porträt betreibt das ZDF über seinen Info-Kanal ZDFinfo eine kontinuierliche dokumentarische Auseinandersetzung mit Musk. Hier erscheinen die Filme seltener als große mediale Ereignisse, dafür in größerer Zahl und oft in mehreren Teilen.

Ein Beispiel ist die dreiteilige Reihe, die Musks Werdegang chronologisch aufrollt – vom „Technik-Freak zum Milliardär” im ersten Teil über den „Überlebenskämpfer” und „Revolutionär” im zweiten bis zu den aktuelleren Kapiteln im dritten. Diese Serialisierung erlaubt es, einzelne Lebensphasen ausführlicher zu behandeln, als es ein 45-Minuten-Porträt könnte.

Dazu kommt die Folge „The True Story of Elon Musk” aus der internationalen ZDFinfo-Reihe „The True Story of …”. Diese rund 45-minütige Dokumentation wurde seit Ende 2022 mehrfach wiederholt und war über die Jahre immer wieder im Programm zu finden. Sie behandelt Musks Rolle in der Automobilbranche, in der Raumfahrt und bei Projekten zur Verbindung von menschlichem Gehirn und Computerchip – und beschreibt ihn dabei ebenso als Visionär wie als exzentrische Figur, die durch ihr Verhalten regelmäßig für Schlagzeilen sorgt.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet das: Wer sich in die ZDF-Mediathek oder ins ZDFinfo-Programm begibt, findet nicht eine, sondern mehrere Musk-Dokumentationen mit unterschiedlichem Zuschnitt. Weil die Sendetermine auf den Spartenkanälen häufig wechseln, lohnt vor dem Einschalten immer ein Blick in die Mediathek oder ins aktuelle TV-Programm – die konkreten Ausstrahlungszeiten ändern sich laufend.

Jan Böhmermann: die satirische Dauerfehde

Ein völlig anderes Register schlägt das ZDF mit dem „ZDF Magazin Royale” von Jan Böhmermann an. Zwischen dem Satiriker und Musk hat sich über die Jahre etwas entwickelt, das man ohne Übertreibung als publizistische Dauerfehde bezeichnen kann.

Ein früher, viel zitierter Moment: Nachdem eine Studie nahegelegt hatte, dass die Zahl antisemitischer Tweets nach Musks Twitter-Übernahme deutlich zugenommen habe, nannte Böhmermann den Unternehmer einen „Nazi-Magnet”. Aufhänger war die Sorge, dass eine Plattform unter Musks Führung Hass sichtbarer und lauter mache. Böhmermann verband das mit Kritik an Musks Machtfülle insgesamt – etwa an der enormen Zahl an Satelliten, die SpaceX ins All bringt, und der Frage, wie viel Einfluss ein einzelner Mensch über zentrale Infrastruktur haben sollte.

Zur echten internationalen Schlagzeile wurde die Auseinandersetzung dann rund um die Bundestagswahl Anfang 2025. Musk hatte sich massiv in den deutschen Wahlkampf eingemischt: mit einem Gastbeitrag in der „Welt am Sonntag”, in dem er sich für die AfD aussprach, und mit einem viel beachteten Live-Gespräch mit der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel auf seiner Plattform X. Böhmermann antwortete darauf auf einer ungewöhnlichen Bühne: Er veröffentlichte auf der Website der New York Times einen englischsprachigen Video-Essay von rund neun Minuten. Darin erklärte er dem internationalen Publikum die deutsche NS-Vergangenheit, schlug den Bogen zur AfD – inklusive Aussagen des Thüringer Rechtsaußen-Politikers Björn Höcke – und zeigte auch die umstrittene, an einen Hitlergruß erinnernde Geste, die Musk rund um die Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 gemacht hatte.

Fachbeobachter beschrieben Böhmermanns Vorgehen als bewussten Gegenentwurf: Wenn Musk seine globale Reichweite nutze, um in nationale Wahlkämpfe einzugreifen, dann nutze Böhmermann eben eine der reichweitenstärksten US-Publikationen, um dagegenzuhalten. Die Formulierung, der ZDF-Satiriker mache „den Anti-Musk”, brachte diese Rollenverteilung auf den Punkt.

Für die Einordnung wichtig: Das „ZDF Magazin Royale” ist ein Satireformat, kein Nachrichtenmagazin. Zuspitzung, Ironie und Provokation sind hier Programm und rechtlich anders geschützt als eine Nachrichtenmeldung. Genau diese Unterscheidung – Satire gegenüber Bericht – wird gleich noch entscheidend.

Der Rechtsstreit um die Belfast-Berichterstattung

Die ernsteste Auseinandersetzung zwischen Musk und dem ZDF hatte nichts mit Satire oder Dokumentation zu tun, sondern mit einer klassischen Nachrichtenmeldung – und sie fiel für den Sender denkbar unglücklich aus.

Im Kontext gewaltsamer Ausschreitungen in Nordirland, die sich nach einer mutmaßlichen Messerattacke entzündet hatten, berichtete das ZDF in einer Ausgabe von „ZDF heute live”, Musk habe gemeinsam mit dem britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson zur „Jagd auf Migranten” aufgerufen. Musk wies diese Darstellung auf X scharf zurück und sprach von „ungeheuerlichen Lügen”.

Es blieb nicht bei einem Empörungstweet. Musks Anwalt Joachim Steinhöfel – in Deutschland als spezialisierter Medien- und Äußerungsrechtler bekannt – schaltete sich ein, forderte eine Unterlassungserklärung und setzte dem Sender ein Ultimatum. Die Argumentation: Der behauptete Aufruf zu einer solchen „Jagd” sei offensichtlich falsch, und die damit verbundene Diffamierung sei rechtswidrig.

Das ZDF ruderte daraufhin zurück. Der Sender räumte ein, die Formulierung sei „ungenau und dadurch missverständlich” gewesen, kürzte die Anmoderation des Beitrags und veröffentlichte eine Korrektur. Nach eigenen Angaben gab das ZDF eine Unterlassungserklärung ab und entfernte die beanstandete Passage aus der Einleitung.

Dieser Vorgang ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt er, dass auch ein großer öffentlich-rechtlicher Sender bei zugespitzten Formulierungen in Nachrichtenbeiträgen angreifbar ist – gerade wenn es um schwerwiegende Vorwürfe wie einen Aufruf zu Gewalt geht. Zweitens traf die Sache einen wunden Punkt, weil sich das ZDF in der Vergangenheit schon einmal mit Falschbehauptungen und einer verlorenen Auseinandersetzung konfrontiert sah – Kritiker verwiesen in diesem Zusammenhang auf frühere Fälle und warfen dem Sender vor, aus solchen Fehlern zu wenig zu lernen. Drittens verlief die Debatte, wie fast alles bei Musk, entlang politischer Linien: Für die einen war die Korrektur ein überfälliges Eingeständnis, für die anderen ein Einknicken vor einem übermächtigen Milliardär.

Warum sich Satire und Bericht rechtlich unterscheiden

Der Kontrast zwischen dem Böhmermann-Streit und der Belfast-Meldung führt zu einem Punkt, der für das Verständnis der gesamten „Elon Musk ZDF”-Geschichte zentral ist: Nicht jede kritische Aussage über eine Person ist rechtlich gleich zu bewerten.

Satire und Meinungsäußerung genießen in Deutschland einen weiten Schutz. Wenn ein Satireformat zuspitzt, überzeichnet oder polemisiert, erkennt das Publikum in aller Regel den satirischen Charakter – und Gerichte legen entsprechend großzügige Maßstäbe an. Eine Nachrichtenmeldung dagegen erhebt den Anspruch, Tatsachen wiederzugeben. Behauptet sie etwas Unwahres über eine Person, insbesondere etwas ehrenrühriges, kann die betroffene Person mit Unterlassungsansprüchen dagegen vorgehen. Genau hier lag der Unterschied: Böhmermanns „Nazi-Magnet” ist eine pointierte Wertung im Satirekontext, der Satz über einen konkreten Aufruf zur „Jagd auf Migranten” dagegen eine überprüfbare Tatsachenbehauptung.

Für Medienschaffende – und für alle, die Berichterstattung kritisch lesen wollen – ist das eine nützliche Faustregel: Bei Nachrichten zählt die genaue Formulierung, bei Satire der erkennbare Kontext. Musk und sein Umfeld haben gezeigt, dass sie beide Register genau beobachten und im Zweifel juristisch reagieren.

Was das über den deutschen Medienbetrieb verrät

Die verschiedenen ZDF-Formate zu Musk lassen sich als Momentaufnahme eines größeren Trends lesen. Musk ist längst nicht mehr nur ein Wirtschaftsthema. Er ist Eigentümer einer politisch relevanten Kommunikationsplattform, greift offen in Wahlkämpfe demokratischer Staaten ein und ist zugleich ein Unternehmer, dessen Firmen technologisch tatsächlich vieles verändert haben. Diese Gleichzeitigkeit stellt Redaktionen vor ein Problem: Behandelt man ihn als genialen Ingenieur, als politischen Akteur oder als Provokateur? Das ZDF beantwortet die Frage, indem es alle drei Zugänge parallel bedient – die Doku würdigt den Unternehmer, die Satire attackiert den politischen Akteur, und die Nachrichten versuchen, sein Handeln einzuordnen.

Diese Vielstimmigkeit ist im Prinzip eine Stärke des öffentlich-rechtlichen Systems. Sie birgt aber ein Risiko: Je stärker eine Person polarisiert, desto größer der Druck, in der Zuspitzung über das Ziel hinauszuschießen. Die Belfast-Meldung ist genau das passiert. Und weil Musk über eine eigene, enorm reichweitenstarke Plattform verfügt, kann er auf jeden Fehler unmittelbar und ohne Umweg über andere Medien reagieren – ein Machtverhältnis, das es in dieser Form vor wenigen Jahren noch nicht gab.

So finden Sie die ZDF-Inhalte zu Elon Musk

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat mehrere Anlaufstellen. Die große Dokumentation „Die Elon-Musk-Story. Superreich und supermächtig” sowie die ZDFinfo-Filme sind über die ZDF-Mediathek abrufbar, sofern sie sich innerhalb ihrer jeweiligen Verfügbarkeitsfristen befinden. Ausschnitte und einzelne Teile der ZDFinfo-Reihen finden sich zusätzlich auf den offiziellen YouTube-Kanälen des Senders. Die Ausgaben des „ZDF Magazin Royale” stehen ebenfalls in der Mediathek, oft mit den relevanten Ausschnitten separat auf den Social-Media-Kanälen der Redaktion.

Ein praktischer Hinweis zum Schluss: Weil öffentlich-rechtliche Inhalte nur für eine begrenzte Zeit online verfügbar sind und die Sendetermine auf den Spartenkanälen häufig wechseln, empfiehlt sich vor dem Suchen ein kurzer Blick auf die Verfügbarkeit. Formate wie das „ZDF Magazin Royale” sind meist zeitnah nach der Ausstrahlung online, große Dokumentationen bleiben je nach Lizenz unterschiedlich lange abrufbar.

Fazit

„Elon Musk ZDF” ist kein einzelnes Video, sondern ein ganzes Spektrum an Auseinandersetzungen. Das ZDF nähert sich Musk dokumentarisch mit ausführlichen Porträts wie „Die Elon-Musk-Story”, inklusive eines seltenen Interviews mit seinem Vater Errol Musk und Stimmen von Herbert Diess bis Karl-Theodor zu Guttenberg. Es attackiert ihn satirisch durch Jan Böhmermann, der die Fehde bis auf die Meinungsseiten der New York Times trug. Und es geriet mit ihm juristisch aneinander, als eine zugespitzte Nachrichtenmeldung über die Ausschreitungen in Nordirland zu einer Korrektur und einer Unterlassungserklärung führte.

Zusammen ergeben diese Episoden ein aufschlussreiches Bild davon, wie eine der wichtigsten Medienanstalten Deutschlands mit einer Figur ringt, die sich klassischen Kategorien entzieht – und wie schmal der Grat zwischen legitimer Kritik, pointierter Satire und angreifbarer Falschbehauptung geworden ist.


Quellen:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.