Die Major Oak: Alles über Englands berühmteste Eiche im Sherwood Forest

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Kaum ein Baum auf der Welt ist so berühmt wie die Major Oak im Sherwood Forest in Nottinghamshire. Seit Jahrhunderten rankt sich um die gewaltige Eiche die Legende von Robin Hood, der sich mit seinen Gefährten in ihrem hohlen Stamm versteckt haben soll. Millionen Menschen haben den Baum besucht, er wurde 2002 zu Großbritanniens Lieblingsbaum gewählt und gewann 2014 den Titel „Englands Baum des Jahres”. Im Juni 2026 erreichte die Welt dann eine traurige Nachricht: Die Major Oak ist nach Einschätzung von Fachleuten abgestorben. Doch ihre Geschichte ist damit keineswegs zu Ende – und ein Besuch lohnt sich weiterhin.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über die Major Oak: ihre beeindruckenden Maße, die Legenden um Robin Hood, die jahrzehntelangen Bemühungen um ihren Erhalt, die Hintergründe ihres Todes und praktische Informationen für einen Besuch im Sherwood Forest.

Was ist die Major Oak?

Die Major Oak ist eine uralte Stieleiche (Quercus robur), die im Herzen des Sherwood Forest National Nature Reserve nahe dem Dorf Edwinstowe in der englischen Grafschaft Nottinghamshire steht. Sie ist der bekannteste von rund tausend alten Eichenveteranen, die in diesem Waldgebiet erhalten geblieben sind – einer der größten Bestände uralter Eichen in ganz Europa.

Was die Major Oak so besonders macht, ist die Kombination aus ihrer schieren Größe, ihrem hohen Alter und ihrer kulturellen Bedeutung. Für viele Britinnen und Briten ist sie mehr als nur ein Baum: Sie ist ein nationales Symbol, ein Stück lebendige Geschichte und der Schauplatz einer der berühmtesten Sagen des Landes.

Zahlen und Fakten: Wie groß und wie alt ist die Major Oak?

Die Dimensionen der Major Oak sind auch im Vergleich mit anderen berühmten Bäumen außergewöhnlich:

  • Alter: Die Schätzungen reichen von 800 bis über 1.100 Jahre. Das genaue Alter lässt sich nicht bestimmen, da der Stamm hohl ist und keine durchgehenden Jahresringe mehr gezählt werden können. Viele Quellen gehen von rund 1.000 Jahren aus – der Baum könnte also bereits gekeimt sein, bevor die Normannen 1066 England eroberten.
  • Stammumfang: Rund 10 bis 11 Meter. Als der Altertumsforscher Major Hayman Rooke den Baum 1790 vermaß, betrug der Umfang etwa 8,3 Meter – seither ist der Stamm im Schnitt etwa einen Zentimeter pro Jahr dicker geworden.
  • Kronendurchmesser: Etwa 28 Meter. Die weit ausladenden Äste überspannen eine Fläche, auf der ein ganzes Einfamilienhaus Platz fände.
  • Geschätztes Gewicht: Rund 23 Tonnen.

Eine faszinierende wissenschaftliche Theorie besagt, dass die Major Oak möglicherweise gar kein einzelner Baum ist. Manche Fachleute vermuten, dass hier vor Jahrhunderten mehrere junge Eichen so dicht beieinander wuchsen, dass sie im Laufe der Zeit zu einem einzigen Organismus verschmolzen sind. Das würde sowohl die ungewöhnliche Form als auch die enorme Stammdicke erklären.

Woher kommt der Name „Major Oak”?

Entgegen einer verbreiteten Annahme bezieht sich der Name nicht auf die Größe des Baumes („major” im Sinne von „bedeutend”). Benannt wurde die Eiche nach dem bereits erwähnten Major Hayman Rooke, einem pensionierten Offizier und leidenschaftlichen Altertumsforscher. Rooke veröffentlichte 1790 ein Buch über die bemerkenswerten Eichen des Sherwood Forest und machte den Baum damit weit über die Region hinaus bekannt. Aus Dankbarkeit – oder schlicht aus Gewohnheit – begannen die Menschen, von „des Majors Eiche” zu sprechen.

Zuvor trug der Baum andere Namen: Er wurde unter anderem „Cockpen Tree” genannt, weil sein hohler Stamm im 18. Jahrhundert angeblich als Gehege für Kampfhähne diente, und zeitweise auch „Queen’s Oak” oder „Robin Hood’s Larder” (Robin Hoods Speisekammer).

Die Robin-Hood-Legende: Wahrheit oder Mythos?

Die berühmteste Geschichte um die Major Oak ist natürlich die Verbindung zu Robin Hood. Der Sage nach nutzten der Geächtete und seine „Merry Men” den hohlen Stamm der Eiche als Versteck und Schlafplatz, während sie im Sherwood Forest den Reichen nahmen und den Armen gaben.

Wie viel Wahrheit steckt darin? Aus historischer Sicht ist die Verbindung äußerst zweifelhaft. Die Robin-Hood-Balladen entstanden im 14. und 15. Jahrhundert und verorten die Geschichten grob ins 12. oder 13. Jahrhundert – zur Zeit von König Richard Löwenherz und König Johann. Selbst wenn die Major Oak damals bereits existierte, wäre sie ein junger, schlanker Baum gewesen, in dem sich niemand hätte verstecken können. Der charakteristische hohle Stamm bildet sich bei Eichen erst nach vielen Jahrhunderten.

Doch das tut der Faszination keinen Abbruch. Die Legende hat die Major Oak zu einem Wallfahrtsort für Robin-Hood-Fans aus aller Welt gemacht, und der Sherwood Forest selbst ist tatsächlich der historisch verbürgte Schauplatz der mittelalterlichen Balladen. Wer unter den knorrigen Ästen der alten Eichen wandert, versteht sofort, warum sich gerade dieser Wald als Kulisse für Geschichten von Gesetzlosen und königlichen Jagdgründen anbot: Der Sherwood Forest war im Mittelalter ein königlicher Jagdwald (Royal Forest), in dem strenge Gesetze galten – Wilderei wurde hart bestraft, was den Nährboden für Geschichten über rebellische Helden bereitete.

Ein Jahrhundert Baumpflege: Wie man versuchte, die Major Oak zu retten

Die Major Oak ist vermutlich einer der am intensivsten gepflegten Bäume der Welt. Die Geschichte ihrer Erhaltung liest sich wie eine Chronik der Baumpflege selbst:

  • Seit 1908 stützen Konstruktionen die gewaltigen Seitenäste, die ohne Hilfe unter ihrem eigenen Gewicht abgebrochen wären. Anfangs waren es Holzstützen und Bleiummantelungen, später kamen Stahlstützen und Spannseile hinzu, die das charakteristische Bild des Baumes bis heute prägen.
  • Seit 1975 ist der Baum eingezäunt. Zuvor kletterten Besucherinnen und Besucher auf die Äste und stiegen in den hohlen Stamm – im viktorianischen Zeitalter war es ein beliebtes Vergnügen, sich mit möglichst vielen Menschen gleichzeitig im Stamminneren zu fotografieren. Die Folge: Der Boden rund um die Wurzeln wurde durch Millionen von Füßen so stark verdichtet, dass er stellenweise hart wie Beton war. Verdichteter Boden lässt kaum noch Wasser und Sauerstoff zu den Wurzeln durch – für einen alten Baum eine schleichende Katastrophe.
  • In den 1970er-Jahren wurden Teile des hohlen Stammes mit Beton verfüllt – eine damals übliche, heute überholte Methode der Baumsanierung.
  • In späteren Jahrzehnten folgten Bodenlockerung, Mulchen, gezielte Bewässerung und ein immer größerer Abstand der Besucherwege zum Wurzelbereich.
  • Im Sommer 2025 kam es zu einer letzten großen Rettungsaktion: Mit spezieller Bewässerungstechnik wurde versucht, die unter Hitze und Trockenheit leidenden Wurzeln zu versorgen.

Trotz all dieser Bemühungen zeigte der Baum seit etwa 2022 deutliche Schwächezeichen. Jahr für Jahr trieb er weniger Blätter aus, die Krone wurde lichter, und 2025 war sein Zustand bereits besorgniserregend schlecht.

Juni 2026: Das Ende einer Ära

Im Frühjahr 2026 blieb das gefürchtete Szenario nicht aus: Die Major Oak trieb keinerlei neue Blätter mehr aus. Am 18. Juni 2026 erklärte die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), die das Naturschutzgebiet Sherwood Forest betreut, den Baum offiziell für tot.

Als Ursachen nennen Fachleute ein Zusammenspiel mehrerer Belastungen, die sich über Jahrzehnte aufsummiert haben:

  1. Klimastress: Die zunehmend heißen, trockenen Sommer der vergangenen Jahre – insbesondere die Hitzewellen seit 2022 – setzten dem ohnehin geschwächten Baum massiv zu. Alte Bäume können sich an schnelle Klimaveränderungen deutlich schlechter anpassen als junge.
  2. Bodenverdichtung: Die Millionen Besucherfüße vergangener Jahrhunderte hatten den Wurzelraum nachhaltig geschädigt – ein Schaden, der sich trotz jahrzehntelanger Gegenmaßnahmen nie vollständig beheben ließ.
  3. Hohes Alter: Auch Eichen sind nicht unsterblich. Nach 800 bis 1.100 Jahren hatte die Major Oak die natürliche Lebensspanne ihrer Art längst weit überschritten.

Die Nachricht vom Tod des Baumes ging um die Welt und löste in Großbritannien echte Trauer aus – ein Beleg dafür, wie tief dieser Baum im kollektiven Bewusstsein verankert ist.

Warum die Major Oak trotzdem stehen bleibt

Wer nun denkt, die Geschichte der Major Oak sei vorbei, irrt. Die Verantwortlichen haben entschieden, den toten Baum stehen zu lassen – und das aus guten Gründen:

Totholz ist Lebensraum. Eine abgestorbene Alteiche ist ökologisch fast so wertvoll wie eine lebende, in mancher Hinsicht sogar wertvoller. Der langsam verwitternde Stamm bietet über viele Jahrzehnte hinweg Lebensraum für hunderte spezialisierte Arten: totholzbewohnende Käfer, Pilze, Flechten, Wildbienen, Fledermäuse und höhlenbrütende Vögel. Gerade der Sherwood Forest ist für seine außergewöhnliche Totholzfauna bekannt – viele der hier lebenden Insektenarten kommen ausschließlich in uraltem Eichenholz vor.

Der Baum bleibt ein Denkmal. Auch als stehendes Totholz wird die Major Oak weiterhin das sein, was sie seit über 200 Jahren ist: das Wahrzeichen des Sherwood Forest und ein Ziel für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Bereits vor ihrem Tod wurde der Baum mit modernen 3D-Scans digital erfasst, sodass seine Gestalt für die Nachwelt dokumentiert ist.

Die nächste Generation wächst schon. Aus Eicheln der Major Oak wurden über die Jahre zahlreiche Nachkommen gezogen, die an verschiedenen Orten in Großbritannien und darüber hinaus wachsen. Das genetische Erbe des Baumes lebt also weiter.

Den Sherwood Forest besuchen: Praktische Informationen

Ein Ausflug zur Major Oak lässt sich hervorragend mit einer Wanderung durch das Naturschutzgebiet verbinden. Hier die wichtigsten Informationen für die Planung:

Anreise

Der Sherwood Forest liegt bei Edwinstowe in Nottinghamshire, etwa 30 Kilometer nördlich von Nottingham. Das Besucherzentrum befindet sich an der Landstraße B6034 zwischen der A6075 und der A616.

  • Mit dem Auto: Von Nottingham aus dauert die Fahrt rund 40 Minuten. Ein großer Parkplatz befindet sich direkt am Besucherzentrum.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die meisten Buslinien halten an der High Street in Edwinstowe, von dort sind es fünf bis zehn Minuten zu Fuß zum Besucherzentrum. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Shirebrook (etwa 10 Kilometer) und Mansfield (etwa 11 Kilometer).
  • Von Deutschland aus: Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen sind East Midlands, Manchester und Leeds Bradford; von dort geht es per Mietwagen oder Bahn weiter.

Öffnungszeiten und Eintritt

  • Der Wald selbst ist ganzjährig von morgens bis abends frei zugänglich.
  • Das Besucherzentrum öffnet von März bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr, von November bis Februar von 10 bis 16:30 Uhr.
  • Der Eintritt ist kostenlos – sowohl für den Wald als auch für das Besucherzentrum, die Wanderwege und die Major Oak selbst.
  • Parken kostet derzeit 7 Pfund pro Tag für Autos und Motorräder (Stand: 2026, aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen).

Der Weg zur Major Oak

Vom Besucherzentrum führt ein gut ausgebauter, barrierefreier Weg in etwa 15 Gehminuten zur Major Oak. Die Strecke ist auch mit Kinderwagen und Rollstuhl problemlos zu bewältigen. Unterwegs informieren Tafeln über die Geschichte des Waldes und die Robin-Hood-Legende. Wer mehr Zeit mitbringt, kann auf mehreren ausgeschilderten Rundwegen zwischen drei und acht Kilometern tiefer in das Naturschutzgebiet eintauchen.

Die beste Besuchszeit

Jede Jahreszeit hat im Sherwood Forest ihren Reiz. Im Frühling und Sommer zeigt sich der Wald in sattem Grün und die Vogelwelt ist besonders aktiv. Der Herbst taucht die alten Eichen in warme Farben – für viele die schönste Zeit für Fotos. Im Winter, wenn die Bäume kahl sind, kommen die bizarren, knorrigen Silhouetten der Eichenveteranen am eindrucksvollsten zur Geltung. Wochentags und am frühen Morgen ist es deutlich ruhiger als an Wochenenden und in den britischen Schulferien.

Veranstaltungen

Jedes Jahr im Sommer findet im Sherwood Forest das Robin Hood Festival statt – eine Woche voller mittelalterlicher Kostüme, Bogenschießen, Gaukler und Theateraufführungen, die besonders für Familien mit Kindern ein Erlebnis ist. Die genauen Termine veröffentlicht das Besucherzentrum auf seiner Website.

Mehr als nur ein Baum: Das Naturschutzgebiet Sherwood Forest

Wer wegen der Major Oak kommt, sollte unbedingt Zeit für den restlichen Wald einplanen. Das Sherwood Forest National Nature Reserve umfasst über 400 Hektar alten Eichen-Birken-Wald und Heideflächen und beherbergt:

  • Rund 1.000 Eichenveteranen, viele davon über 500 Jahre alt – eine in Europa nahezu einzigartige Dichte an Uraltbäumen.
  • Eine außergewöhnliche Insektenwelt mit über 1.500 Käferarten, darunter zahlreiche seltene Totholzspezialisten.
  • Vielfältige Vogelarten wie Waldkauz, Grünspecht, Buntspecht, Baumfalke und im Sommer den Ziegenmelker auf den angrenzenden Heideflächen.
  • Fledermäuse, Pilze und Flechten in einer Vielfalt, die nur sehr alte, nie vollständig gerodete Wälder erreichen.

Das moderne Besucherzentrum, das von der RSPB betrieben wird, bietet eine Ausstellung zur Natur- und Kulturgeschichte des Waldes, ein Café und einen Shop.

Häufige Fragen zur Major Oak

Kann man die Major Oak noch besichtigen? Ja. Der Baum bleibt als stehendes Naturdenkmal erhalten und ist weiterhin über den ausgeschilderten Weg vom Besucherzentrum aus zu erreichen. Der Zaun um den Wurzelbereich besteht fort.

Warum ist die Major Oak gestorben? Nach Einschätzung von Fachleuten führte eine Kombination aus jahrzehntelanger Bodenverdichtung durch Besucherströme, den zunehmend heißen und trockenen Sommern der letzten Jahre und dem schlicht enormen Alter des Baumes zum Absterben. Im Frühjahr 2026 trieb die Eiche keine Blätter mehr aus und wurde im Juni 2026 offiziell für tot erklärt.

Durfte man jemals in den hohlen Stamm hinein? Bis 1975 ja – danach wurde der Baum zu seinem Schutz eingezäunt. Historische Fotos zeigen, dass sich im 19. Jahrhundert ganze Gesellschaften im Stamminneren versammelten.

Hat Robin Hood wirklich in der Major Oak gewohnt? Historisch belegen lässt sich das nicht – zur mutmaßlichen Zeit Robin Hoods wäre der Baum noch zu jung und zu schmal für ein Versteck gewesen. Die Legende gehört dennoch untrennbar zum Baum und zum Sherwood Forest.

Kostet der Besuch Eintritt? Nein, der Zugang zum Wald und zur Major Oak ist kostenlos. Lediglich fürs Parken fällt eine Tagesgebühr von derzeit 7 Pfund an.

Fazit: Ein Abschied, der keiner ist

Die Major Oak hat aufgehört zu leben – doch sie hat nicht aufgehört zu wirken. Als stehendes Totholz wird sie noch Jahrzehnte lang unzähligen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten, als Denkmal wird sie weiterhin Menschen aus aller Welt in den Sherwood Forest locken, und als Symbol erinnert sie eindringlicher denn je daran, wie verletzlich selbst die mächtigsten Naturwunder gegenüber Klimawandel und menschlichem Einfluss sind.

Wer die Gelegenheit hat, sollte den Sherwood Forest besuchen: für die stille Begegnung mit einem tausendjährigen Zeitzeugen, für die Wanderung durch einen der ältesten Eichenwälder Europas – und vielleicht auch, um dem Geist von Robin Hood nachzuspüren, der zwischen den knorrigen Ästen bis heute lebendig ist.


Quellen: Visit Sherwood – The Major Oak, Visit Sherwood – Plan your visit, RSPB Sherwood Forest, Visit Nottinghamshire – The Major Oak, CNN – Major Oak has died (Juni 2026), Smithsonian Magazine – Major Oak presumed dead, Wikipedia – Major Oak

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.