Devon: Englands grüne Grafschaft zwischen wilden Mooren und goldenen Stränden

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Warum Devon zu den schönsten Regionen Englands zählt

Devon ist eine der größten Grafschaften Englands und liegt ganz im Südwesten der Insel, eingebettet zwischen Cornwall im Westen und Dorset und Somerset im Osten. Was Devon so besonders macht: Es ist die einzige englische Grafschaft mit zwei getrennten Küstenlinien – einer im Norden, die auf den Bristolkanal und die Keltische See blickt, und einer im Süden, die zum Ärmelkanal hin liegt. Zwischen diesen beiden Küsten erstreckt sich eine sanft gewellte Landschaft aus tiefgrünen Hügeln, schmalen, von Hecken gesäumten Landstraßen, reetgedeckten Cottages und zwei beeindruckenden Nationalparks.

Für deutsche Reisende ist Devon noch immer eine Art Geheimtipp. Während Cornwall durch Romanverfilmungen und Krimiserien längst Kultstatus erreicht hat, bleibt die Nachbargrafschaft oft im Schatten – zu Unrecht. Devon bietet vieles, wofür man sonst nach Cornwall fährt, jedoch häufig ruhiger, grüner und mit einem ganz eigenen Charme. Wer Wanderungen entlang dramatischer Klippen liebt, in einsamen Mooren die Stille sucht oder einfach einen klassischen englischen Nachmittagstee an einem sonnigen Hafen genießen möchte, ist hier richtig.

Die Region lebt von ihren Kontrasten. Im Landesinneren prägen die weiten Hochmoore von Dartmoor mit ihren markanten Felsformationen das Bild, während die Küsten von feinen Sandstränden, schroffen Felsen und malerischen Fischerorten geprägt sind. Dazu kommt eine reiche Geschichte: Devon spielte eine zentrale Rolle in der englischen Seefahrt, und Städte wie Plymouth erzählen von Entdeckern, der spanischen Armada und der Auswanderung in die Neue Welt.

Dartmoor: Wildnis im Herzen Devons

Der Dartmoor-Nationalpark ist das wohl charakteristischste Stück Devon. Auf einer Fläche von rund 950 Quadratkilometern erstreckt sich hier eine raue Hochmoorlandschaft, die zu den letzten echten Wildnisgebieten Englands gehört. Wer einmal bei tief hängenden Wolken über die endlosen Moorflächen geblickt hat, versteht sofort, warum Arthur Conan Doyle ausgerechnet hier seinen düsteren Sherlock-Holmes-Roman „Der Hund von Baskerville” ansiedelte.

Charakteristisch für Dartmoor sind die sogenannten Tors – bizarre, vom Wetter geformte Granitfelsen, die aus den Hügelkuppen ragen. Sie tragen Namen wie Haytor oder Bowerman’s Nose und sind beliebte Wanderziele mit weiten Ausblicken. Zwischen den Felsen grasen die berühmten Dartmoor-Ponys frei und ungezähmt; sie gelten als Wahrzeichen der Region und durchstreifen seit Jahrhunderten die Moore.

Zu den landschaftlichen Höhepunkten gehören die Lydford-Schlucht (Lydford Gorge) mit ihren Wasserfällen, der märchenhaft anmutende Wistman’s Wood – ein uralter, moosbewachsener Eichenwald, der wie aus einer anderen Welt wirkt – sowie zahlreiche kleine Dörfer aus grauem Granitstein. Dartmoor ist außerdem ein Paradies für Aktivurlauber: Wandern, Radfahren, Klettern, Reiten und sogar Kanufahren auf wilden Flüssen sind hier möglich.

Ein wichtiger Hinweis für die Planung: Im Dartmoor gibt es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel, und das Mobilfunknetz ist stellenweise schwach. Wer die abgelegenen Ecken erkunden möchte, sollte gute Karten dabeihaben, festes Schuhwerk tragen und sich auf wechselhaftes Wetter einstellen. Nebel kann hier selbst im Sommer überraschend schnell aufziehen.

Exmoor: das stille Hochland im Norden

Während Dartmoor häufig im Rampenlicht steht, bleibt der zweite Nationalpark Devons oft unbeachtet: Exmoor erstreckt sich über die Grenze von Devon nach Somerset und vereint ausgedehnte Heideflächen mit tief eingeschnittenen Tälern und einem der spektakulärsten Küstenabschnitte Englands. Die Klippen von Exmoor gehören zu den höchsten der englischen Küste und fallen teils dramatisch zum Meer hin ab.

Exmoor ist bekannt für seine Rotwildbestände und die halbwilden Exmoor-Ponys, eine der ältesten Ponyrassen der Welt. Außerdem wurde die Region als „International Dark Sky Reserve” ausgezeichnet – wegen der geringen Lichtverschmutzung gilt sie als einer der besten Orte Englands, um den Sternenhimmel zu beobachten. Wer einmal eine klare Nacht im Exmoor erlebt hat, vergisst den Anblick der Milchstraße so schnell nicht.

Die Doppelorte Lynton und Lynmouth an der Nordküste sind ein beliebtes Ausflugsziel. Lynton liegt oben auf der Klippe, Lynmouth unten am Hafen, und beide werden durch eine historische, wasserbetriebene Standseilbahn (Cliff Railway) verbunden. Die Fahrt bietet großartige Ausblicke auf die zerklüftete Küste.

Die Südküste: die „Englische Riviera” und historische Häfen

Die Südküste Devons hat ein deutlich milderes Klima als der raue Norden – nicht umsonst trägt der Küstenabschnitt rund um Torquay, Paignton und Brixham den Beinamen „Englische Riviera” (English Riviera). Palmen säumen hier mancherorts die Promenaden, und das gemäßigte Klima sorgt für eine fast schon mediterrane Atmosphäre. Torquay ist zugleich die Geburtsstadt der Krimiautorin Agatha Christie, was sich in zahlreichen Bezügen und Themenrouten widerspiegelt.

Besonders charmant sind die kleinen Hafenstädte an der Südküste. Dartmouth liegt malerisch an der Mündung des Flusses Dart und besticht mit bunten Häusern, einer historischen Marineakademie und einer nostalgischen Dampfeisenbahn. Salcombe und das umliegende Gebiet gehören zu den begehrtesten Küstenregionen Englands und sind im Sommer ein beliebter Anlaufpunkt für Segler und Wassersportler.

Plymouth ist die größte Stadt Devons und blickt auf eine bedeutende maritime Geschichte zurück. Von hier aus stach der Seefahrer Sir Francis Drake in See, hier formierte sich die Verteidigung gegen die spanische Armada, und von Plymouth aus brach 1620 die „Mayflower” mit den Pilgervätern nach Nordamerika auf. Das historische Hafenviertel Barbican mit seinen gepflasterten Gassen lädt heute zum Bummeln ein, und die Hoe, eine weitläufige Grünfläche oberhalb des Hafens, bietet einen herrlichen Blick aufs Meer.

Die Nordküste: Surfstrände und steile Klippen

Die Nordküste Devons ist wilder und ursprünglicher als der Süden. Hier liegen einige der besten Surfstrände Englands. Woolacombe etwa wird in Rankings regelmäßig als einer der schönsten Strände des Landes geführt – ein langer, breiter Sandstrand, der bei Familien, Surfern und Spaziergängern gleichermaßen beliebt ist. Auch Croyde und Saunton Sands ziehen Wellenreiter aus dem ganzen Land an.

Ein absolutes Highlight ist das Fischerdorf Clovelly. Es ist weltberühmt für seine extrem steile, kopfsteingepflasterte Hauptstraße, die autofrei zum historischen Hafen hinunterführt. Weil keine Fahrzeuge in den Ort fahren dürfen, werden Waren teils noch immer auf Eseln oder mit Schlitten transportiert. Clovelly befindet sich in Privatbesitz, weshalb ein Eintritt für den Zugang erhoben wird – ein Modell, das den außergewöhnlich gut erhaltenen Charakter des Ortes finanziert.

Wer Ruhe sucht, findet sie in den vielen kleinen Buchten und Dörfern entlang der Nordküste. Die Landschaft ist hier rauer, die Klippen höher, und die Wege führen oft durch einsame, fast unberührt wirkende Natur.

Der South West Coast Path: Wandern mit Meerblick

Für Wanderfreunde ist Devon ein Traumziel, vor allem dank des South West Coast Path. Dieser Fernwanderweg ist mit 630 Meilen (rund 1.014 Kilometer) der längste ausgeschilderte National Trail Englands. Er beginnt im Norden bei Minehead in Somerset, folgt der gesamten Südwestküste über Devon und Cornwall und endet schließlich in Dorset.

In Devon verläuft der Weg sowohl an der Nord- als auch an der Südküste. Der Abschnitt durch das Exmoor zwischen Minehead und Combe Martin ist rund 35 Meilen lang und gehört zu den anspruchsvollsten, aber auch spektakulärsten Teilstücken mit zahlreichen Höhenmetern. Man muss aber keineswegs die gesamte Strecke gehen: Der Reiz liegt gerade darin, einzelne Tagesetappen herauszupicken und unterwegs in einem Pub oder Teehaus einzukehren.

Genau hier kommt eine kulinarische Tradition ins Spiel, die untrennbar mit der Region verbunden ist.

Cream Tea: das süße Wahrzeichen Devons

Kein Besuch in Devon ist vollständig ohne einen klassischen Cream Tea. Dieser besteht aus frisch gebackenen Scones, die mit dicker Clotted Cream (einer Art eingedickter Sahne) und Marmelade bestrichen werden, dazu wird eine Kanne Tee serviert. Devon und das benachbarte Cornwall streiten sich seit Generationen darüber, wer den besseren Cream Tea hat – und vor allem, in welcher Reihenfolge man Sahne und Marmelade aufträgt.

Die „Devon-Methode” sieht vor, zuerst die Clotted Cream und dann die Marmelade auf den Scone zu geben. In Cornwall macht man es genau umgekehrt. Was zunächst wie eine Lappalie klingt, wird hier mit fast schon religiösem Ernst diskutiert. Für Reisende ist der Streit vor allem eine charmante Einladung, die regionale Variante selbst zu probieren – am besten in einem Teegarten mit Blick aufs Meer oder in einem urigen Dorfcafé.

Neben dem Cream Tea hat Devon kulinarisch noch mehr zu bieten: frischer Fisch und Meeresfrüchte aus den Häfen, lokale Käsesorten, Apfelwein (Cider) aus den zahlreichen Obstgärten und eine wachsende Zahl ausgezeichneter Hofläden und Bauernmärkte.

Exeter: die geschichtsträchtige Hauptstadt

Die Grafschaftshauptstadt Exeter blickt auf eine fast zweitausendjährige Geschichte zurück, die bis in die Römerzeit reicht. Das Herzstück der Stadt ist die beeindruckende Kathedrale mit ihrem gotischen Gewölbe – sie besitzt das längste ununterbrochene gotische Deckengewölbe der Welt. Rund um die Kathedrale erstreckt sich eine lebendige Innenstadt mit einer Mischung aus historischer Architektur, modernen Geschäften und gemütlichen Cafés.

Sehenswert sind außerdem die mittelalterlichen unterirdischen Gänge (Underground Passages), die einst Wasser in die Stadt leiteten, sowie das historische Hafenviertel am Fluss Exe, das sich zu einem beliebten Treffpunkt mit Restaurants und Bars entwickelt hat. Exeter eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge ins Dartmoor und an beide Küsten.

Beste Reisezeit für Devon

Devon profitiert von einem milden, vom Golfstrom beeinflussten Klima, das jedoch wechselhaft sein kann. Die beliebteste Reisezeit ist der Sommer von Juni bis August, wenn die Temperaturen am angenehmsten und die Niederschläge am geringsten sind. Im Sommer liegen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen bei rund 19 °C, die Tiefstwerte bei etwa 12 °C – also ideal für Strandtage und Wanderungen, ohne dass es zu heiß wird.

Auch das Frühjahr von März bis Mai hat seinen besonderen Reiz: Dann blühen überall Narzissen, Magnolien und Rhododendren, und die Landschaft zeigt sich in sattem Grün. Wer Menschenmassen meiden möchte, fährt am besten in der Nebensaison. Der Herbst bringt mit durchschnittlich 16 °C Höchsttemperatur noch milde Tage, während der Winter mit Höchstwerten um 9 °C und Tiefstwerten um 3 °C die ruhigste Zeit ist.

Wichtig zu wissen: Devon gehört zu den regenreicheren Regionen Englands. Über das Jahr verteilt muss man je nach Monat mit etwa 10 bis 18 Regentagen rechnen. Eine wasserdichte Jacke und festes Schuhwerk gehören daher in jedem Fall ins Gepäck – auch im Hochsommer. Das wechselhafte Wetter ist aber zugleich Teil des Charmes: Nirgends sind die Regenbögen schöner als nach einem kurzen Schauer über den grünen Hügeln.

Anreise nach Devon von Deutschland aus

Devon liegt rund 300 bis 400 Kilometer südwestlich von London, was die Anreise etwas aufwändiger macht als bei zentraleren Regionen Englands. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

Mit dem Flugzeug: Exeter besitzt einen eigenen Flughafen (Kürzel EXT), der allerdings nur über ein begrenztes Streckennetz verfügt. Direktverbindungen aus Deutschland sind selten, sodass die Anreise per Flugzeug meist einen Zwischenstopp – häufig in London – erfordert. Wer fliegt, sollte die Verbindungen daher genau prüfen und die Gesamtreisezeit inklusive Umstieg einplanen. Alternativ bieten sich die größeren Londoner Flughäfen mit anschließender Weiterreise per Bahn oder Mietwagen an.

Mit der Bahn: Von London Paddington fahren regelmäßig Züge nach Exeter und Plymouth. Die Bahnfahrt entlang der Küste, besonders der berühmte Abschnitt bei Dawlish, wo die Gleise direkt am Meer verlaufen, gilt als eine der schönsten Zugstrecken Englands.

Mit dem Auto: Viele Reisende kombinieren Devon mit einem längeren England-Roadtrip. Über die Fähre oder den Eurotunnel gelangt man mit dem eigenen Wagen auf die Insel und fährt dann auf der Autobahn M5 in Richtung Südwesten. Ein eigenes Fahrzeug ist in Devon ohnehin der größte Vorteil, denn viele der schönsten Orte – abgelegene Strände, Dörfer im Dartmoor, einsame Buchten an der Nordküste – sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen.

Ein praktischer Hinweis: In Großbritannien herrscht Linksverkehr, und die Landstraßen Devons sind oft extrem schmal und von hohen Hecken gesäumt. Diese sogenannten „lanes” verlangen Konzentration und Geduld, belohnen aber mit dem Gefühl, mitten durch die ursprüngliche Landschaft zu fahren.

Praktische Tipps für die Reiseplanung

Wer Devon zum ersten Mal besucht, sollte genug Zeit einplanen. Die Region ist größer, als sie auf der Karte wirkt, und die kurvigen Landstraßen machen Fahrten oft langsamer als gedacht. Für eine erste Rundreise empfiehlt sich mindestens eine Woche, besser zehn Tage, um sowohl die Nord- als auch die Südküste sowie die beiden Nationalparks erleben zu können.

Eine sinnvolle Route könnte mit Exeter als Auftakt beginnen, von dort ins Dartmoor führen, weiter an die Südküste mit Dartmouth und Plymouth, dann über das Landesinnere zur Nordküste mit Clovelly und den Surfstränden und schließlich ins Exmoor. So erlebt man die ganze Bandbreite der Grafschaft, ohne zu viel Zeit im Auto zu verbringen.

Für die Unterkunft bietet Devon alles vom rustikalen Bauernhof über gemütliche Bed & Breakfasts bis hin zu Ferienhäusern und Campingplätzen mit Meerblick. Gerade in der Hochsaison im Juli und August sind beliebte Orte früh ausgebucht, eine rechtzeitige Buchung ist also ratsam. In der Nebensaison findet man dagegen oft spontan ein Plätzchen und genießt die Region weitgehend für sich allein.

Wer Naturschutzgebiete, Gärten und historische Stätten besuchen möchte, sollte sich über Mitgliedschaften und Tagespässe der großen britischen Denkmalschutz-Organisationen informieren, da viele Sehenswürdigkeiten von diesen verwaltet werden. Das kann sich bei mehreren Besuchen lohnen.

Fazit: Devon lohnt die Reise

Devon ist eine Region für alle, die das ursprüngliche, grüne England suchen – fernab der großen Touristenströme, dafür voller Natur, Geschichte und kulinarischer Genüsse. Die Mischung aus wilden Mooren, zwei abwechslungsreichen Küsten, charmanten Hafenstädten und der entspannten Lebensart des Südwestens macht den besonderen Reiz aus. Ob man dem South West Coast Path entlangwandert, im Dartmoor die Stille genießt, an den Surfstränden der Nordküste die Wellen reitet oder einfach bei einem Cream Tea die Aussicht aufs Meer auf sich wirken lässt: Devon hinterlässt bei den meisten Besuchern den Wunsch, wiederzukommen.

Für deutsche Reisende, die England schon kennen und etwas Neues suchen, ist diese Grafschaft eine lohnende Entdeckung. Sie verbindet die Schönheit Cornwalls mit mehr Ruhe und einer eigenständigen Identität – ein Stück England, das man am besten mit Zeit, festem Schuhwerk und einer guten Portion Neugier erkundet.

Quellen:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.