Alex Pereira: Der Mann, der die UFC auf den Kopf gestellt hat

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Ich habe genug aktuelle Informationen. Ich schreibe jetzt den Artikel auf Deutsch.


Wer ist Alex Pereira?

Wenige Namen in der Geschichte des gemischten Kampfsports (Mixed Martial Arts, kurz MMA) haben in so kurzer Zeit eine solche Wirkung entfaltet wie der von Alex Pereira. Bekannt unter seinem Kampfnamen „Poatan” – ein indigenes brasilianisches Wort für „Stein-Hand” – ist der am 7. Juli 1987 in São Bernardo do Campo, Brasilien, geborene Kämpfer eine der faszinierendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Ultimate Fighting Championship (UFC).

Sein Weg ist keine Heldengeschichte von Anfang an. Es ist die Geschichte eines Mannes, der aus tiefster Armut, Alkoholabhängigkeit und einem Lebensumfeld ohne erkennbare Perspektive heraus eine sportliche Karriere aufgebaut hat, die heute weltweit Millionen von Fans bewegt.


Kindheit und Jugend: Armut, Arbeit und Alkohol

Alex Pereira wuchs in bescheidenen Verhältnissen in São Bernardo do Campo auf, einer Industriestadt im Großraum São Paulo. Als Kind einer armen Familie brach er früh die Schule ab und fing an zu arbeiten – zunächst als Hilfsmaurer auf Baustellen, später in einer Reifenwerkstatt.

Zehn Stunden täglich schleppte er Reifen, von Öl und Dreck bedeckt. Der Alltag in diesem Umfeld war rau, und wie viele seiner Kollegen begann Pereira in jungen Jahren, Alkohol zu konsumieren. Aus gelegentlichem Trinken wurde eine ernsthafte Abhängigkeit. Mit 21 Jahren war er ein Gewohnheitstrinker – ohne Sport, ohne Ziel, ohne Perspektive.

Der Wendepunkt kam 2009, als Pereira zum ersten Mal eine Kickboxhalle betrat. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus dem Wunsch heraus, der Sucht zu entkommen. Was er dort fand, sollte sein Leben für immer verändern.


Der Aufstieg im Kickboxen: Zwei Weltmeistertitel bei Glory

Kaum jemand hätte gedacht, dass aus dem Maurer aus São Bernardo do Campo einer der gefürchtetsten Schläger der Welt werden würde. Doch Pereira zeigte schon früh ein außergewöhnliches Talent: seine natürliche Explosivität, seine Schlagkraft und sein Instinkt im Stand-Up-Kampf.

Nach wenigen Jahren professionellem Training etablierte er sich in Brasilien und wurde bald von der Organisation Glory Kickboxing – dem weltgrößten Kickboxverband – unter Vertrag genommen. Was folgte, war eine Karriere, die Geschichte schrieb.

Pereira wurde der erste und bislang einzige Kämpfer, der bei Glory gleichzeitig Weltmeister in zwei Gewichtsklassen war: im Mittelgewicht (bis 85 kg) und im Halbschwergewicht (bis 95 kg). Seine Bilanz im Kickboxen war vernichtend – vor allem dank seiner Linken, einem Punch, der Gegner wie im Schlaf trifft.

Sein bekanntester Sieg in dieser Ära: zwei Niederlagen gegen Israel Adesanya – einmal nach Punkten, einmal durch einen spektakulären Knock-out. Diese Ergebnisse würden später im UFC eine entscheidende Rolle spielen.


Der Wechsel ins MMA und der Einzug in die UFC

Der Wechsel vom reinen Stehkampf zum MMA war für viele Experten riskant. MMA ist ein deutlich komplexerer Sport: Neben dem Schlag- und Trittwerk müssen Kämpfer auch Ringen, Bodenkampf und Abwehrtechniken am Boden (sogenanntes Grappling) beherrschen. Pereira begann spät damit – mit Mitte 30.

Doch sein Debüt in der UFC im Jahr 2021 machte sofort klar, dass hier jemand Außergewöhnliches angekommen war. Schon früh ließ er Gegner alt aussehen und kämpfte sich unaufhaltsam in Richtung Titelkampf.

Im November 2022 bekam er dann seine Chance: Er traf auf Israel Adesanya – den amtierenden UFC-Mittelgewichtschampion, den er aus der Kickbox-Welt bereits zweimal besiegt hatte. Der Fight war elektrisierend. In der fünften Runde landete Pereira einen brutalen Wirkungstreffer und zwang den Ringrichter zur Unterbrechung. Alex Pereira war neuer UFC-Mittelgewichtsweltmeister – und der erste Kämpfer überhaupt, der einen UFC-Champion drei Mal besiegen konnte.


Zwei Divisionen, zwei Gürtel: Eine historische Leistung

Was danach folgte, lässt sich nur als phänomenal bezeichnen. Nach einem Rückkampf-Verlust gegen Adesanya im April 2023 wechselte Pereira die Gewichtsklasse und stieg ins Halbschwergewicht (bis 93 kg) auf. Dort schlug er im November 2023 Jiří Procházka durch technischen Knock-out und holte sich seinen zweiten UFC-Weltmeistertitel in der zweiten Gewichtsklasse.

Damit schrieb er Geschichte: Er ist der neunte Kämpfer in der Geschichte der UFC, der in zwei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wurde – und der erste, der sowohl das Mittelgewicht als auch das Halbschwergewicht dominierte.

Sein UFC-Rekord (Stand Juni 2026): 13 Siege, 4 Niederlagen, davon 11 Siege durch Knock-out oder technischen Knock-out.


Kampfstil: Warum „Poatan” so gefürlich ist

Wer Pereira zum ersten Mal kämpfen sieht, ist oft überrascht. Sein Stil wirkt ruhig, fast lethargisch – bis er plötzlich explodiert. Genau diese Täuschung macht ihn gefährlich.

Sein Kampfstil lässt sich so beschreiben:

  • Geduldige Druckarbeit: Pereira arbeitet sich langsam nach vorne, nutzt Tieftritte (Low Kicks), um den Rhythmus des Gegners zu stören.
  • Außergewöhnliche Knockout-Power: Schon ein einziger Treffer kann den Kampf beenden. Seine linke Faust gilt als eine der härtesten im Kampfsport überhaupt.
  • Mentale Stärke: Er lässt sich kaum destabilisieren – selbst wenn er selbst getroffen wird, reagiert er selten mit Panik.
  • Kickboxing-IQ: Durch seine Jahre im Kickboxen hat er ein außergewöhnliches Verständnis von Distanzmanagement und Gegenbewegungen entwickelt.

Schwächen wurden am Boden sichtbar – gelegentlich nutzte die Konkurrenz Ringkampftechniken, um ihn aus seinem Komfortbereich zu bringen. Doch Pereira hat sich auch dort kontinuierlich verbessert.


Die Ambition: Drei Titel in drei Gewichtsklassen

Im Jahr 2026 stellte sich Pereira eine neue historische Aufgabe: Er wollte der erste UFC-Kämpfer werden, der in drei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wird. Dafür wechselte er ins Schwergewicht (über 93 kg) und forderte den Interim-Champion Ciryl Gane am 14. Juni 2026 bei UFC Freedom 250 heraus.

Das Vorhaben scheiterte: Gane besiegte ihn durch technischen Knock-out in der zweiten Runde. Eine Niederlage, die schmerzt – aber die Karriere von Pereira keineswegs in Frage stellt. Mit 38 Jahren kämpft er immer noch auf dem allerhöchsten Niveau und steht auf Rang 8 der Gesamtrangliste (Pfund-für-Pfund) der UFC.


Instituto Poatan: Kämpfen für die Gesellschaft

Was Pereira von vielen anderen Kampfsportstars unterscheidet, ist sein Engagement abseits des Oktagon. 2024 gründete er das Instituto Poatan – eine gemeinnützige Organisation in São Paulo, die benachteiligten Jugendlichen in brasilianischen Stadtteilen kostenlose Bildungs- und Sportprogramme anbietet.

Das Institut entstand, nachdem Pereira in seiner alten Heimat ein Gebäude kaufte und vollständig renovierte. Heute bietet es unter anderem an:

  • Nachhilfeprogramme und schulische Unterstützung
  • Englisch- und Computerkurse
  • Ernährungsberatung
  • Kostenloses Jiu-Jitsu-Training

Die Philosophie dahinter: Sport als Werkzeug für sozialen Wandel. Pereira weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, ohne Chancen aufzuwachsen – und handelt entsprechend.

Im April 2026 wurde er dafür mit dem Forrest Griffin Community Award der UFC ausgezeichnet, einem der angesehensten Preise des Verbands für außersportliches Engagement.


Persönlichkeit: Still, aber präsent

Wer Pereira nur aus Kämpfen kennt, könnte annehmen, er sei ein stiller, verschlossener Mensch. Tatsächlich trifft das in gewisser Weise zu – aber auf eine sympathische Art.

In Interviews zeigt er sich bescheiden, humorvoll und erdgeerdet. Er spricht selten viel, aber wenn er spricht, hat es Gewicht. Sein ruhiges, fast stoisches Auftreten sorgte im Netz für den Spitznamen „IYKYK-Champion” – wer ihn kennt, liebt ihn.

Sein Name „Poatan” – der Steinhand – beschreibt seinen Charakter vielleicht besser als jedes Zitat: hart, kompakt, unverrückbar.


Warum Alex Pereira Kampfsportgeschichte schreibt

Alex Pereira ist mehr als ein außergewöhnlicher Kämpfer. Er ist ein Symbol: für den Willen, Umstände zu überwinden, für Disziplin ohne Glamour und für die Überzeugung, dass es nie zu spät ist, das eigene Leben zu verändern.

Mit einer professionellen MMA-Karriere, die erst mit über 30 Jahren richtig begann, hat er Titel gesammelt und Rekorde gebrochen, die andere Kämpfer in einem Jahrzehnt nicht erreichen. Seine Knockouts sind Kult, seine Geschichte ist Motivation.

Ob im Kampfring oder durch das Instituto Poatan auf den Straßen São Paulos – Alex Pereira kämpft nicht nur für sich. Er kämpft für die, die noch keine Stimme haben.


Fazit

Alex Pereira ist keine gewöhnliche Sportlegende. Er ist das Ergebnis einer Geschichte voller Brüche und Wendepunkte – ein Mann, der sich selbst mehrfach neu erfinden musste, bevor die Welt von ihm hörte. Mit zwei UFC-Weltmeistertiteln, einem unverwechselbaren Kampfstil und einem sozialen Erbe in Brasilien hat er sich dauerhaft ins Gedächtnis des Kampfsports eingeschrieben.

Die Frage, ob er doch noch einen dritten Gürtel gewinnen wird, bleibt offen. Die Antwort kommt – wie immer bei Pereira – direkt und ohne Umwege: im Oktagon.


Quellen:

MW
Marco Weiss

Author of Leicht Gewandert. Sharing insights and practical tips on topics that matter.